266 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
Wir,s°„,« Oberfläche auf den gelösten Körper ausübr, sobald diese Oberflache durch dasOberfläche, g£j- un gg m j ttc[ benetzbar ist. Ein Tropfen rother Wein auf ein Tischtuch ge-bracht, erzeugt einen Flecken, der nur in der Mitte roth, am Umfang farblosist, weil der zuerst berührte Theil des Zeuges den Farbestoff sogleich auf sichverdichtet und durch die Capillaritat nur entfärbter Wein weiter verbreitet wird.Gewebe aller Art und Papier zeigen dasselbe Verhalten, worauf großentheils dieFärberei beruht.
Bei den Kohlenarten ist das Absorptionsvermögen nur um deßwillen viel' entwickelter und augenfälliger, weil die wirksame Oberfläche derselben — sei esdurch einen hohen Grad der Zertheilung (wie bei der Blutkohle), sei es durchPorosität (wie bei der Holz - und noch mehr der Knochenkohle) ins außerordent-liche vermehrt ist.
Die Größe dieser Oberfläche läßt sich nicht wohl bestimmen, doch kannman sich durch Rechnung davon einigermaßen einen Begriff verschaffen: Gesetztdie Poren oder Zellen der Knochenkohle seien gleiche, regelmäßige Würfel vony 50 Linie Seite (der Durchmesser eines Stärkekorns von mittlerer Größe), soist der Kubikzoll nach allen drei Richtungen durch je 500 Wände getheilt undgewinnt dadurch (abgesehen von der Dicke dieser Wände) eine Gesammtoberflächevon 3000 Quadratzoll. Es beträgt nun dieKohlenbeschickung eines Dumont'-schen Filters (Fig. 236.) 5376 Kubikzoll, welchem Volum nach obiger Vor-aussetzung eine Gesammtoberfläche von 160000 Quadratfuß Hessisch —10000Quadratmet.—4 Morgen Hessisch —1 Hektare entspricht!
V,-balien Roch verdienen einige Beobachtungen besondere Erwähnung, welche mit
Anwendung der so interessanten Einwirkung der Knochenkohle auf die im Zuckersaft vorkom-Zuckersiederei. menden Substanzen in Bezug stehen. Bei der Filtration des geläuterten Saf-tes werden vielerlei Stoffe, nämlich Zucker, Gummi, Schleim und andere or-ganische Stoffe, Salze mit organischen und Mineralsäuren von Kalk undAlkalien, nebst Aetzkalk, zu gleicher Zeit mit der Kohle in Berührung gebrachtund es entsteht die Frage, welcher Erfolg eintreten wird.
Wird ein solcher Saft über ein Filter mit angefeuchteter und fest einge-stampfter Kohle gelassen, so erscheint als erstes Filtrationsprodukt reinesWas-ser, aber sichtbar in größerer Menge, als es zum Anfeuchten der Kohle ver-wendet gewesen. Alsdann folgt Wasser von zunehmend salzigem Geschmack.Nachdem auch dieses in nicht unbeträchtlicher Menge abgelaufen ist, fängt das-selbe an süßlich zu werden, während der Salzgeschmack mehr und mehr inden Hintergrund tritt, so daß bald eine (scheinbar) rein süße Flüssigkeitan dessen Stelle tritt. Diese letztere fließt geraume Zeit ohne bemerkbare Ver-änderung ab, bis sie, aber erst nach längerer Zeit, anfängt (von freiem Kalk)alkalisch zu reagiren, welche Reaction ziemlich rasch zunimmt. Wieder ei-nige Zeit nach dem Eintritt dieser Reaction stellt sich zum erstenmal eine ge-ringe Färbung der Flüssigkeit ein, welche sehr lange anhält, bis die Farbe späterimmer dunkler wird und der Syrup zuletzt das Filter so braun gefärbt verläßt,als er auf dasselbe gelangt war, wo denn die Wirkung der Kohle ihr Ende er-reicht hat (Lüdersdorf). Diese Erscheinungen sind selbstredend. Sie beweisendaß die Kraft der Kohle für die Salze am frühesten, für den Farbestoff am spä-