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Zweiter Band.
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360
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Praktisch'Nntrrschei

dring der

nack derStärke,

nach derGährr.

Lokalbiere.

360 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.

gewordenen Alkohols treten essigsaure Salze, die dem Geschmack nachtheilig sind.

Es ist daher das Beste, sauer gewordenes Bier zu Essig zu verarbeiten.

Im Vorhergehenden ist nachgewiesen worden, daß jede einzelne Manipu-lation des beschriebenen Verfahrens Einfluß auf die Beschaffenheit des Bieres i

hat. Es kann daher nicht befremden, daß selbst innerhalb desselben Verfahrens i

große Verschiedenheiten der Biere vorkommen; um wie viel mehr sind solcheVerschiedenheiten da zu erwarten, wo man von den beschriebenen Braumethoden,die man als die herrschenden bezeichnen kann, abweicht. Nach dem Alkohol-gehalt, bestimmter gesagt nach der Schüttung, unterscheidet man Starkbiere(spec. Gew. der Würze 1,050 und mehr), mittelstarke Biere, wozu dieLagerbiere gehören (spec. Gew. der Würze 1,025 bis 1,040), leichte Biere(spec. Gew. der Würze 1,025 und weniger), deren unterste Gränze das Nach-bier oder der Eovent*) bildet. Diese Eintheilung liegt der Tab. S. 357zu Grunde. Auch vom Eptract- und Zuckergehalt ist der Eharakter der Biereabhängig: Biere, die daran reich sind, wie die bairischen Starkbiere, das Aleder Briten rc., haben eine gewisse Dickflüssigkeit, sind etwas substanliös und vonangenehm zartem Geschmack; Biere, denen es an dieser Eigenschaft in unge- lwohnlichem Grade mangelt, was als ein Fehler zu betrachten ist, heißen !»trocken«. Der Unterschied zwischen ober-und untergahrigen Bieren,zwischen Lager- und Schenkbieren ist bereits erörtert worden. Die Farbeder Biere wechselt vom dunkeln Schwarzbraun des englischen Porters, durch dasBraun und Gelbbraun der gewöhnlichen Biere in das Blaßgelbe der sogenanntenWeißbiere; der Unterschied zwischen Braun- und Weißbier ist indessen tiefer'als in der bloßen Farbe begründet. Zu den letzteren nimmt man meist nebender Gerste noch Weizen und Hafer, sie sind niemals so klar und niemals sthaltbar als die ersteren.

In früheren Zeiten, wo der öffentliche Verkehr und der Austausch vonErfahrungen, Ansichten und Kenntnissen ohne Vergleich beschrankter waren,konnte es nicht fehlen, daß das Brauwesen in einzelnen Gegenden und Ortt"Deutschlands scharf ausgeprägte Eigenthümlichkeiten annahm, die der enge Kreisder Eonsumenten durch die Lange der Gewohnheit als Norm, meist sogar alsVorzug annahm. Daher die Unzahl berühmter Lokalbiere, die theils nachihren Erfindern benannt wurden, wie die substanziöse Braunschweiger Muwnit(nach Christ. Mumme, erfunden 1492), der Broihan, ein Weißbier (nachGerd Broihan, st 1570); theils aber, und zwar weit häufiger, von den Eonsn^menten zum Zeichen der Beliebtheit mit einer Art Spitznamen im Ortsdialektbelegt wurden; so der »Schöps« in Breslau, der »Kuhschwanz« in Delitz, ^»Kukuk« in Witkenberg, der »Kater« in Stade; ferner der »Muff« von Hasiberstadt, der »Clapit« von Helmstedt, der »Filz« von Magdeburg, der »Schlunz«von Erfurt, der »Ginsenack« von Rustrau, die »Buße« von Osnabrück; e"d-lich der »Biet dem Kerl« von Boihenburg, der »Krabbel an der Wand« von

') Schon im Jahre 1482 unterschieden die Klöster das stärkere Bier für die Patrvon dem Nachbier, welches für den Convent bestimmt war, durch die Bezeichnung»Patersbier« und »Conventbier», woraus nachher Covent wurde.