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Zweiter Band.
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380
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380 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthfchastl. Gewerbe.

Branntweinbrennerei.

Der Branntwein, im weiteren Sinne des Wortes, ist eine alkohol-haltige, und zwar stets durch Destillation gewonnene Flüssigkeit.

G.sch i cht. Die Geschichte von der Kenntniß des Branntweins und seiner Verbreitungals Genußmittel hangt demnach mit der der Destillation (des Brennens) und derdes Alkohols zusammen. Daraus ergiebt sich von selbst, warum die Kenntnißder einfachen geistigen Getränke, des Weines und des Bieres, viele Jahrhun-derte älter, als die des Branntweins sein konnte. Sie blieb selbst dem clas-sischen Alterhum völlig fremd und nahm ihren Ausgangspunkt gegen die Mittedes alchymistischen Zeitalters hin, in der Wahrnehmung, daß der Wein auseinem flüchtigeren, wesentlichen, brennbaren Theile und aus einem weniger flüch-tigen, den ersteren gleichsam maskirenden Theile oder Phlegma bestehe. DieTrennung beider, d. h. die Darstellung des Branntweins, gelang erst durch dieerfolgreichen Verbesserungen der Destillalionsapparate und dieser Operationselbst, durch die Alexandrinische Schule, wie sie zuerst zu Anfang des fünftenJahrhunderts beschrieben werden. Der Uebergang des Branntweins von einembloßen chemischen Präparat in ein Genußmittel, also von einer rein wissen-schaftlichen zu einer hohen ökonomischen Bedeutung, geschah auf demselbenWege, wie bei dem Zucker, bei dem Thee und Kaffee, nämlich durch denArzneischatz hindurch in's praktische Leben. Nachdem sein Gebrauch darinWurzel gefaßt, war der nächste Schritt der, seine Gewinnung vom Wein zuemancipiren und auf die weit wohlfeilere weinige Flüssigkeit, erst aus Getreide,spater auch aus Kartoffeln zu übertragen.

Wie aus dem Wein ein geistiges Destillat abgezogen werden könne,beschreibt zuerst Marcus Gracus (wahrscheinlich im achten Jahrhundert),ebenso Rhases (um's Jahr 900), aber ohne die Brennbarkeit zu erwähnen-Die Bezeichnung »aqua v.itae« findet sich in der, freilich erst aus dem sechs*zehnten Jahrhundert stammenden Uebersetzung Geber's (Mitte des ach""Jahrhunderts). Als Arzneimittel ist der Branntwein von den arabischen Aerz-ten eingeführt worden; es empfehlen ihn als solches aber auch besonders derCardinal Vitalis de Furno aus Basel und Thaddaus von Florenz,Lehrer der Arzneikunde zu Bologna, beide im dreizehnten Jahrhundert.

Von der Rectisication durch wiederholte Destillation und durch kohlensauresKali finden sich bestimmte Nachweise bei Raimundus Lullius (1235 bis1315); eben solche über die Entwässerung durch Kalk und die Anwendung vonKühlschlangen bei Basilius Valentinus (zweite Hälfte des fünfzehn""Jahrhunderts). Er giebt zugleich Andeutungen, welche sich auf das Principder heutigen Dephlegmatoren beziehen, indem er die Rectisication in einer »h°(hen Phiol» vorschreibt. Weit bestimmter spricht davon Michael Gavona^rola in einer 1532 gedruckten Schrift, worin er erzählt, Jemand habe dieBlase im Erdgeschoß, den Helm im Giebel des Hauses angebracht. Nebeder Bezeichnung aqua vitae kommt auch aqua vitis und aqua vini vor.