384 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthschastl. Gewerbe.
Materialien, und ohne daß die Gährung völlig zum Erlöschen kommt, alles dasjenige durchschwierige chemische Kunstgriffe zu entfernen oder niederzuschlagen, was dem zuerzeugenden Getränke fremd ist. Gerade diese Abscheidung macht dem Brannt-weinbrenner am wenigsten Sorge; es liegt keine Nothwendigkeit vor, die Tre-ber vor der Gahrung von der Würze zu trennen; die Abscheidung dieser sammtallen der Gahrung entgangenen Stoffen erfolgt ohnehin und vollständig durchdie Destillation. Sein Interesse geht fast ungetheilt darauf hinaus, die Stärkeso viel wie immer möglich in Alkohol zu verwandeln und den höchsten Vergäh-rungsgrad zu erzielen. Die Quantität nimmt seine Kunstfertigkeit weit mehrin Anspruch als die Qualität. — So ist es wenigstens der Fall, wo dieBranntweinbrennerei vorzugsweise eine Verwerthung der Früchte bedeutet, wiein Deutschland. Wo man dagegen den Branntwein mehr um seiner selbstwillen darstellt, wie in Großbritannien, schenkt man der Qualität die meisteRücksicht. Man bereitet eine klare Würze, wie beim Bier, die für sich undnicht mit den Trebern gährt und ein reineres Produkt liefert; man folgt aberauch darum ganz anderen Motiven bei der Wahl des Materials. Wo die Q»a*lität entscheidet, verdient die Gerste den Vorzug. Keine Frucht vereinigt s°viele Vortheile zur Erzeugung eines geistigen Getränkes als diese, theils durchden hohen Grad von zuckerbildender Kraft, den sie beim Keimen erlangt unddie hohe Vergährungsfähigkeit derselben, theils durch die Leichtigkeit, mit ^sie eine klare Würze giebt. Indessen liefert die Gerste eine Alkoholausbeute,die mit ihrem Preise nicht eben im günstigsten Verhältnisse steht, daher sthäufig Zusatz von anderem Getreide. Dies ist der Fall mit England, dort istGerste und Waizen der Hauptstoff, die Kartoffel gänzlich ausgeschlossenIn Deutschland hat man dagegen beim Brennen die Verwerthung dieser undder Getreidearten zum Hauptzweck, in zweiter Linie des Roggens, in drittedes Waizens, bei weitem seltener des Hafers. Die Kartoffel kann durchKeimen gar nicht, Roggen und Waizen picht mit gleichem Vortheil in de"Zustand der Zuckerbildungsfähigkeit versetzt werden. Man ist deshalb auf fclCMitwirkung des Gerstenmalzes, als eines zum Maischen unentbehrlichen 3 Ü 'satzes, hingewiesen. Am besten vermag Waizenmalz seine Stelle zu ersetzen-
Nach einer allgemein befolgten Erfahrung sollen verschiedene Getreide'arten gemengt eine höhere Ausbeute liefern, als einzeln angewendet; der Gründavon läßt sich übrigens nicht leicht angeben. .
Wo man Gerste als Hauptmaterial verarbeitet, entspringt die Frage, 0es vortheilhafter ist, solche ganz in Malz zu verwandeln, oder nur so vieleine kräftige Zuckerbildung verlangt, und den größeren Theil ungemalzt Slassen. Das Malzen verursacht Fabrikationskosten und einen Gewichtsverl»von 20 Proc.; indessen will man (u. a. in Schottland) gefunden haben, ^das Malz eine merklich höhere Ausbeute an Alkohol liefert als das ihm <- nsprechende Quantum roher Gerste. Wäre diese Erfahrung richtig, oderallgemein gültig, so wäre die Praxis sicher schon längst von der Anwendudes theilweise rohen Getreides auf Malz übergegangen.
Die Gründe, welche man in der Bierbrauerei für das Darren deszes hatte, sind in der Branntweinbrennerei nicht vorhanden, man hat im