Band 
Zweiter Band.
Seite
468
JPEG-Download
 

468 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende n. landwirthschaftl. Gewerbe.

muß, um der Flüssigkeit stets genügenden Fall zu ertheilen. Wenn man dieFässer übrigens gehörig vorrichtet, so kann man sie auch in demselben Ni-veau nebeneinander aufstellen; denn eine Erhöhung des Steigrohrs am er-sten Faß um wenige Zoll über den Rand wird einen hinreichenden Druck zuWege bringen, um die Flüssigkeit durch das ganze System zu treiben. Natür-lich müßte dann bei eintretendem Wechsel dieses höhere Steigrohr jedesmal andasjenige Faß eingesetzt werden, welches als das erste fungiren soll. — Wendetman neben der Holzkohle noch Knochenkohle an, so dürfte es am besten sein,mit der letztern besondere Fässer zu beschicken und diese immer an's Ende desSystems zu bringen, und das vorderste derselben von Zeit zu Zeit in derselbenWeise zu erneuern, wie die mit Holzkohle beschickten. Sonst pflegt man auchwohl in jedem Fasse die Knochenkohle als oberste Schicht anzubringen. Manhat öfter empfohlen, das Entfuselungsvermvgen der Kohle in diesen Fässer»durch einen Zusatz von gepulvertem Braunstein zu unterstützen; es ist jedochnicht wohl abzusehen, was dieser unter den gegebenen Umstanden wirken soll.

Die geistigen Getränke als Nahrungsmittel.

Der absolute Alkohol ist für den thierischen Organismus tödtlich; in einergewissen Verdünnung mit Wasser wird er assimilirbar und besitzt dann einebelebende, erregende, in höherem Grade eine berauschende Wirkung. Abgesehenvon dieser letzteren ist der Alkohol ohne Zweifel den warmeerzeugenden Bestand-theilen der Nahrung zuzurechnen; er wird nach seinem Uebergang in's Blutdurch Oxydation zersetzt. Diesen Charakter der Wirkung theilen die geistig?"Getränke mit dem Weingeist, ihrem vorwiegenden Bestandtheil. Aber so S pwiß die geistigen Getränke mehr sind, als bloße Gemische von Weingeist u"dWasser, so gewiß sie neben diesen beiden ihnen gemeinschaftlichen Bestandtheilennoch durch andere unterscheidende ausgezeichnet sind, so unverkennbar hat jedesgeistige Getränk noch einen besondern, eigenthümlichen Einfluß auf den OrMnismus, der mächtig in's Bereich des geistigen Lebens eingreift. — Wo e,nQbetvani voltöfyumlid) herrschend ist, tragt die Bevölkerung davon den Stempel,der Altbaier vom Bier, der Rheinländer vom Wein. —

Bei mäßigem aber gewohnheitsmäßigem Genuß scheint der Wein dietellectuellen Fähigkeiten zu wecken und zu heben, während er die körperliche"Functionen mehr in richtigem Maaß erhält, als gerade hebt oder Herabdruck ■Der Branntwein steht auf dem andern Extrem, er erzeugt geistige Sturnpl'heit mit einer Richtung zur Rohheit, er untergrabt Wohlbefinden und Körper-kraft rasch und nachdrücklich, sobald diese aufhören durch die übrige Ernähr"^gehörig unterhalten zu werden. In der letztern Beziehung bildet daseinen scharfen Gegensatz: grobknochiger Bau, blühendes Ansehen, häufig a»Wohlbeleibtheit und aufgeschwemmte Körperbeschaffenheit unterscheidenBiertrinker von den hagern, oft kraftlosen Gestalten der Branntweinen"

Dagegen ist nicht zu laugnen, daß der gewohnheitsmäßige Biergenuß "r

schnittlich eine gewisse geistige Indolenz und Unbeweglichkeit erzeugt, dienicht gerade durch Neigung zur Rohheit, aber doch oft durch Glelchg