Band 
Zweiter Band.
Seite
474
JPEG-Download
 

Methoden i

474 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthfchaftl. Gewerbe.

einer gewissen Menge Branntwein, einen stärkeren Essig zu erzielen, als diesean und für sich aus ihrem eigenen Alkoholgehalte zu liefern vermögen.

„ Die bekannte Beobachtung, daß schwache geistige Getränke, besonders,wenn sie noch Hefentheile oder doch Psianzenleim und andere Albuminoideenthalten, die in ihrer Abscheidung als Hefe begriffen sind, — wenn diese Ge-tränke also unter dem Einfluß von Fermenten stehen — allmalig sauer wer-den und in Essig übergehen, hat offenbar die Veranlassung zu der, Jahrhun-derte hindurch herrschenden Methode der Essiggewinnung gegeben. Sie ist inder That nur die absichtliche Einleitung und Entwickelung desjenigen Vorgangs,den sonst nur der Zufall hervorrief, nachdem man gefunden hatte, daß dasfreiwillige Sauerwerden jener Getränke in der heißen Jahreszeit und in offenenoder schlecht verschlossenen Gefäßen am leichtesten Platz greift; so entnahm dieEssigbereitungskunst ihre Handgriffe einfach aus dieser Erfahrung, und setztedie für ihre Zwecke bestimmten Flüssigkeiten zugleich der Warme und dem Luft-zutritte aus. ' Wenn nun auch damit die wesentlichen Bedingungen gegeben,und eine vollständige Umwandlung des Alkohols in Essigsaure möglich war, stwaren doch diese Bedingungen so beschränkt und die wirkenden Kräfte entbehr-ten so sehr eines freien Spielraumes, daß die Vollendung des bezweckten Pro-cesses eines unverhältnismäßig langen Zeitraumes bedurfte. Man unterscheidetdaher dieses »altere Verfahren«, welches so lange bekannt ist, als derWein, und sein freiwilliges Sauerwerden, sehr passend als die langsameMethode.

Nachdem dieselbe in späteren Epochen einige Verbesserungen erfahren hatte,z. B. durch Boerhave, so erfaßte in der neueren Zeit die Wissenschaftdie mittlerweile auf dem Gebiete der organischen Chemie mit Macht vorgedrun-gen war und daselbst Boden gefaßt hatte — diesen Gegenstand mit Nachdruck-Kaum hatte die Forschung in diesem Fache den Chemismus der Essigbildungdurchdrungen, als auch schon die Praxis sich der errungenen Wahrheiten be-mächtigte und die Essigfabrikation auf einen rationellen Betrieb zurücksäht'Das neuentstandene Verfahren beruht auf demselben Princip wie das alte, eist nur eine Verbesserung der Methode, und charaklerisirt sich in seinem Erst gwesentlich durch Zeitgewinn, woher es denn die Schnellessigfabrikatiogenannt wird. Diese ist zuerst von Schützenbach im Jahre 1823 als neuErfindung in den Zeitungen angezeigt worden; schon im Jahre 1824 bestaneine Schnellesstgfabrik bei Berlin und in demselben Jahre hat ein gewustHam ein Patent auf die Schnellesstgfabrikation in London erhalten; einspäter ist auch Wagenmann, wie es scheint selbständig, auf dieselbeMelhogekommen.'

Die altere oder langsame Methode.

Da in früheren Zeiten keine andere Methode bekannt war, und aller Estgaus Wein bereitet wurde, so erklärt sich hieraus sehr natürlich, warrim sidenjenigen Gegenden, welche von Alters her wegen ihres Essigs imhen, noch beinahe ausschließlich gebraucht wird. Sie ist die eigentliche 9 e