490 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u landwirthschastl. Gewerbe
der Essigbildner, als vielmehr auf eine mangelhafte Thätigkeit hinaus, die inEsslgbium-r. ihrer halben Entwickelung stehen bleibt. Das sogenannte »Dunsten« der Essig-bildner, sonst ein Zeichen des guten Ganges, erscheint eher vermehrt, es ent-weichen mehr Dampfe, die aber die Augen angreifend und stechend, statt an-genehm weinig-sauer riechen; endlich zeigen die Proben, daß in dem abfließen-den Essiggute der Alkohol verschwunden, aber auch kein oder nur wenig Essigvorhanden ist. Anstatt Essig bekommt man alsdann eine fade schmeckende, ofttrübe, unbrauchbare Flüssigkeit.
Liebig hat gezeigt, daß dieses mißrathene Product, mit Aetzkali erhitzt,dunkelbraun wird und auf Zusatz einer Saure Aldehydharz fallen laßt und nachZusatz von salpetersaurem Silber und Ammoniak Silber reducirt, also ohneZweifel Aldehyd enthält, was bei Essig von gutem Gang nie der Fall ist. Esgeht daraus hervor, daß die Umwandlung des Alkohols bei Mangel an Luft-wechsel in den Fässern nur das erste Stadium, die Bildung von Aldehyd, er-reicht, der bei seiner großen Flüchtigkeit zum größten Theil verdunstet und denstechenden/ augenreizenden Dunst bedingt.
In einem beobachteten Falle erhielt man in einer Essigfabrik, in welcherkeine besondere Ventilation angebracht, auch die verbrauchte Lust nicht nachaußen abgeleitet war, aus sechs (aber kleinen) Essigbildnern Jahre lang einenEssig von tadelloser Qualität, dessen lebhafter Absatz den Eigenthümer veran-laßte, die Anzahl der Gradirfässer um zwei zu vermehren. Von diesem Zeit'punkte an nahm der Gehalt des Essigs, bei gleichbleibender Stärke des Essig'gutes, rasch ab und zwar in sämmtlichen acht Fässern, so daß nur noch ei"fades aldehydhaltiges Product erhalten wurde. — Natürlich erreicht das Uebelnicht immer diesen extremen Grad, sondern man erhält in hundert anderenFällen einen zwar noch verkäuflichen, aber doch aldehydhaltigen Essig, dem ei"Theil der erwarteten Procente seines Gehaltes fehlt. Die Erfahrung hat S e *lehrt, daß eine solche Herabstimmung der Essigbildung oder Krankheit der Gra-dirfässer, wenn sie einmal Platz gegriffen, durch eine bloße Wiederherstellungder Bedingungen eines guten Ganges, also besonders des gehörigen Luftwegsels, nicht mehr ausgerottet'werden kann, sondern wie durch Ansteckungwirkt. Es bleibt in der Regel nichts übrig, als die Fässer aus einander z"nehmen, alle Theile gründlich zu reinigen, zu trocknen, einzusäuern und g"von Neuem zu beginnen.
Ein anderer, nicht minder vernachlässigter Punkt der EinrichtungEsstgbildner ist das Verhältniß der Eintrittsöffnungen zu den Austrittsoffnugen der Zugluft. Wenn die durch den Bildner strömende Luft allesstoffs beraubt wird, so vermindert sich ihr Volum um %; da aber die A 1 °^tion in der Wirklichkeit viel geringer ist und die Lust bei ihrem Durchzug e ^Temperaturerhöhung von beiläufig 6°, also eine Ausdehnung, erfährt, soihr Volum beim Austritt nur sehr unbedeutend verändert sein. Darnachdie Weite der Austrittsöffnungen zusammengenommen eben so ^
die Weite der Eintrittsöffnungen; dessen ungeachtet findet man aus schwerzusehenden Gründen fast überall das Gegentheil, und jene bedeutend, osdie Halste enger. — Ueber die Weite der Zugöffnungen ist schwer, oder