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Zweiter Band.
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546
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546 Sechste Gruppe. Die Bekleidungsgewerbe.

fällt und nicht über 12° steigt. Die Häute werden in der Kammer abwechselndam Kopf- und am Schwanzende aufgehängt, aber so, daß sie einander nicht be-rühren. Unter diesen Umstanden bedürfen die Haute, je nach ihrer Starke,6 —12 Tage. Es soll dabei kein Geruch und überhaupt keine Spur vonFäul-niß bemerkbar sein.

(äntixiartn Nach Turnbull soll eine Lösung von Kochsalz oder von Zucker (Melasse),ni, Wasser die Lösung der Haare bewirken. Seguin wandte anfangs das von

ihm erfundene Schwellverfahren (wovon weiter unten die Rede sein wird) auchzum Enthaaren an, wonach die Häute in einem Bade aus 1 Thl. Schwefelsäureund 1000 Thln. Wasser behandelt werden, welches nach und nach bis auf2 Thle. Schwefelsäure verstärkt wird. Keines von diesen Mitteln hat in derPraxis Eingang oder Bedeutung gewonnen.

Saure Flüssigkeiten finden indeß bei einem seit älteren Zeiten in der PExis gebräuchlichen Mittel, nämlich bei dem Enthaaren mit dem »Stinkbot-tich-°, Anwendung. Die Häute werden in eine Kufe eingelegt, worin vorherGerstenschrot mit Sauerteig und warmem Wasser eingerührt werden, täglichzweimal aufgeschlagen und die inzwischen verloren gegangene Wärme von Zellzu Zeit durch Nachfüllen von etwas warmem Wasser wieder ersetzt.

Unter allen beschriebenen Verfahren sind das Kalken und das Schwitztbei weitem die gewöhnlichsten. Welches man auch angewendet haben mag,werden die Häute stets, sobald sie nur die Haare gehen lassen, ausgewasih^und in der beim Kalken beschriebenen Weise auf dem Schabebaum abgepält.V--»an, b,m, Sämmtliche in der Praxis nach und nach eingeschlagene Wege, um daEnihanren. j u lockern, haben das gemeinschaftlich, daß sie die Haut in reichlich^Maße der Feuchtigkeit aussetzen. In einem Fall beschränkt man sich ledigl^auf die Einwirkung derselben in der Kälte (amerikanisches Schwitzverfahre^in anderen Fällen unterstützt man sie durch mäßige Temperaturerhöhung (warM^Schwitzen, Rauchkammern); wieder andere Methoden nehmen chemischetien zu Hülfe und beruhen entweder auf dem Einfluß von schwach alkalisch^oder von schwach sauren Flüssigkeiten. Die ersteren verdanken ihre Alkali«'^zunächst dem Kalkhydrat, obwohl dieses niemals allein wirksam ist; denn in *gewöhnlichen Kalkmilch findet sich stets der übrigens geringe AlkaligehaltKalksteine als Aetzkali und Aetznatron vor, wozu noch das aus den zersetzten Wrischen Flüssigkeiten entwickelte, durch den Kalk ätzend gemachte Ammoniak h>zukommt (Kalkgrube). Ist dem Kalk Holzasche (eigentliche Aescher) oder So^zugesetzt, so ist die wirksame Flüssigkeit im Wesentlichen eine sehr schwacheoder Natronlauge. In den sauren Flüssigkeiten ist entweder die Schwefels"(Seguin's Methode), oder es sind durch Gährung entwickelte organilSäuren, besonders Milchsäure (im Stinkbottich), das Wirksame. _

Alles dieses zusammengenommen giebt zu erkennen, daß schon dieEinwirkung des Wassers — in der Kälte in längerer, in der Wärme in urer Zeit — die Lockerung der Haare bewirkt; daß diese Einwirkung durch e ^schwachen Alkali- oder Säuregehalt gefördert wird, dabei jedoch die ^Alkalis oder der Säure so gut wie gleichgültig und von durchaus untergnetem Einfluß ist.