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Zweiter Band.
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Gärberei. Rothgärberei. Das Schwellen. 549

Form. Legt man dagegen eine Blöße in angesäuertes oder alkalisches Wasser,

1® tritt nach einiger Zeit eine auffallende Veränderung ein, die sich am meistendurch die beträchtliche Zunahme der Dicke bis aus das Doppelte und mehr (da-her Schwellen) bemerklich macht. Zugleich nimmt die Haut eine gelb braun-liche Farbe und einen gewissen Grad von Durchscheinenheit an. Aus der Flüs-I'gkeit genommen, ist sie noch geschmeidig und schlüpfrig, aber nicht mehrschlaff und behalt keine bleibende Eindrücke oder Faltung, sondern erscheint ela-stisch, zeigt eine Neigung sich an den Rändern aufzurollen und verhalt sichÜberhaupt mehr der gekochten Schwarte des Schweinefleisches ähnlich. Auf demschnitt ist bei der geschwellten Blöße die Structur ungleich deutlicher zu erkennen^ud einzelne Faserbündel lassen sich scharf mit dem bloßen Auge unterscheiden.

Weicht man eine geschwellte Blöße in frisches Wasser ein, so laugt dieses die^aure oder das Alkali aus und die Haut kehrt vollkommen in ihren früherenZustand zurück, sie wird wieder milchweiß, undurchsichtig und schlaff. FürManche Lederarten dürfen die Blößen nur in diesem Zustande gegarbt werden.

Die Erscheinung des Schwellens wird schon durch einen sehr geringen Ge-malt an Alkali oder Saure hervorgerufen, durch Schwefelsaure z. B., die mit000 bis 2000 Thln. Wasser verdünnt, also kaum durch den Geschmack zu"kennen ist, aufs vollständigste. Die Natur der Saure, ob organische oder Mi-^^alsaure, ist dabei gleichgültig, doch scheint die Saure zu denen gehören zu^ffen, welche dem Wasser wirklich eine saure Reaction ertheilen.

Die Schwellung soll eine leichtere und vollständigere Sättigung der Haut? lt den Gacbemitteln bedingen. Daß sie einen großen Einfluß aus die 33e=^ossenhest des Leders nimmt und daß dieser bei dem lohgaren Leder ein ande-ist, als bei den alaungahren und samischen Ledern, ist keine Frage. Dieohgahren Leder erhalten dadurch Eigenschaften, die für gewisse Anwendungen^»hlleder z. B.) sehr günstig, für andere nachtheilig sind (z. B. Oberleder),k. liegt auf der Hand, daß die Flüssigkeiten, die zum Enthaaren dienen,

" langer fortgesetzter Einwirkung auch das Schwellen der Haut bewirken; dieseUsstgkeiten haben auch in der That zu diesem Zweck mehr oder weniger An-Ndung gefunden. So war es früher sehr gewöhnlich, die Haute nach dem^haaren noch längere Zeit, zum Behuf des Schwellens, in Kalkwasser zu"chen; dies ist so gut wie ganz abgekommen, wahrscheinlich wegen des nach-Oeitigen Einflusses des Kalks auf die Garbung. Man bedient sich gegenwärtigausschließlich saurerSchwellbeizen (Treibfarben), am häufigsten der aus"stenschrot oder Kleie (die weiße Beize) und der sauren Lohbrühe (dieabhe Beize).

Um ^ UC ^"ßen Beize setzt man, ganz wie bei der Stinkfarbe, Gerstenschrot W,iß, B-g«Sauerteig mit kaltem Wasser an (auf 100 Pfund trockene Haute 50 Pfund^ot und 5 —6 Pfund Sauerteig), fügt soviel heißes Wasser hinzu bis die^"^p"atur aus 25° C. gestiegen ist, und legt die Haute ein. Unter diesenstanden tritt Milchsauregahrung ein *)• Man schlagt die Haute inzwi-

^ Beobachtung der Gärber entwickelt sich in dem vorausgehenden Sta-

lum der Zersetzung ein entzündbares Gas.