Gärberei. Rothgärberei. Allsten. 573
die Festigkeit durch das Zurichten leiden. Nach Versuchen von Bevan betrugdie absolute Festigkeit auf den Q.-I. Querschnitt bei rothgahrem Kalbleder1890, bei ebensolchem Kuhleder 3981 Pfund.
Im Vorstehenden war ausschließlich von den gewöhnlichen rothgahren Le-dern die Rede; es bleibt daher noch übrig, auch auf einige besondere Producteder Rothgärberei näher einzugehen.
Juften.
Unter dem Namen Juften *) — auch Juchten — werden feit gerau-mer Zeit gewisse rothgahre Leder von Rußland eingeführt, welche sich auf denMarkten einen wohlbegründeten, obwohl etwas übertriebenen Ruf erworbenhaben. Sie zeichnen sich durch Starke, Geschmeidigkeit, einen eigenthümlichenGeruch und besonders durch die Eigenschaft aus, daß sie von Jnsecten nichtangegriffen werden und für das Wasser weit weniger durchdringlich sind, alsdie gewöhnlichen Leder. Von Rußland selbst sind Beschreibungen des lan-desüblichen Verfahrens niemals öffentlich bekannt geworden und vermuthlichderbsten. Eine Abhandlung von Kartz off macht zwar davon eine Aus-nahme, ist aber in Betreff des wesentlichsten Theils unbestimmt und unvoll-ständig. Auf der andern Seile sind die Berichte der Reisenden, wie Ritsch-dow, Pallas, Lepechin, Gmelin dunkel und widersprechend, theils weilsie als Nichtsachverstandige übersahen, worauf es ankommt, theils weil sie we-8en der langen Dauer des Gärbeprvcesses weniger aus Autopsie als aus Er-kundigung schöpfen mußten, und endlich weil wohl in der Wirklichkeit an ver-schiedenen Orten Abweichungen stattfinden.
, Der am häufigsten und zwar zu Schuhmacher- und Sattlerarbeiten ge-suchte Juften ist besonders dauerhaft, dunkel schmutzigroth von Farbe undauffallendem durchdringendem Geruch, der sich jedoch nach einiger Zeit ver-Es giebt übrigens auch schwarzen Juften und von beiden zahlreicheorten von verschiedener Feinheit. Es sollen dazu die Haute von Roß, Rind,.018, Bosk und Ziege und zu ihrer Zubereitung Molken, Eisenlohe, Weiden-^ude ^ach Einigen auch das Kraut von Ktatice limonium und Ledum palu-S ^), ferner Birkentheer (Birkentheeröl) und Thran gebraucht werden. Das^sentliche ist die Garbung mit Weidenrinde, welche nach den meisten Anga-stie, nach andern selten durch Eichenlohe, wohl aber zuweilen durch Bir-Mrinde ersetzt wird — und die Zurichtung mit Birkentheeröl (Döggut).
, Den Birkentheer gewinnt man aus der korkigen Rinde der Birke im.tz ^iahr, meist mit Zusatz von Birkenzweigen mit Knospen, welche für sich^ ^iot ein wenig gefärbtes, rosenölartig riechendes Oel geben sollen. Nachziemlich rohen landesüblichen Verfahren wird das Material in zwei auf-»andergestülpte, mit den Rändern verkittete Töpfe gebracht und entzündet." iStt dem Boden jedes Topfes ist ein Loch angebracht, so daß ein schwacher Luft-
*> Von
den, russischen .Just, Mehrh. Jufii, ein Paar; angeblich weil die Felle beimarben paarweise zusammengenäht werden.
Festigkeit.
Begriff.
Material.