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Appretur.
576 Sechste Gruppe. Die Bekleidungsgewerbe.
• auf Wolle auch auf Saffian ausführbar und werden dazu dieselben Befesti-gungsmittel gebraucht, nämlich je nach der Natur der Farbe: Alaun, Zinn-falz, Weinstein. Die beliebteste, aber auch umständlichste und kostspieligsteFarbe ist das Hochroch. Aechtes Roth von dem Glanz und Feuer der orien-talischen Saffiane erhalt man nur mit Cochenille. Früher hat man dazu Ker-mes und Lack gebraucht, welche jetzt gar nicht mehr, oder nur noch nebenbeibenutzt werden. Man nimmt die Haute einzeln und zwar zwei- bis dreimalhintereinander bei der Temperatur der Blutwärme durch den Cochenillenabsud,dem man meist den Alaun und Weinstein sogleich zusetzt, worauf sie zum Gar-ben kommen. Für die übrigen Farben — und unter diesen find wieder gelb(mit Quercitron, Gelbbeeren) und schwarz (mit Eisenbeitze) die häufigsten —gärbt man die Haute vor dem Farben in Vorrath und wählt sie aus, wie siefür den einzelnen Fall passen.
Wie man sich leicht denken kann, hängt der Eindruck der Farbe auf dasAuge zum großen Theil von der Beschaffenheit der Narbe, also von der Zu-richtung ab; man widmet daher dieser nicht weniger Aufmerksamkeit und Sorg-falt, als den vorhergehenden Operationen. Die Zurichtung erfolgt nach demTrocknen und besteht im Einreiben von etwas Oel, im Glänzen, im Pla-tiren und im Krispeln. Je nach Umstanden und der Natur der Farbe un-terbleibt die eine oder die andere dieser Arbeiten; so zieht sich z. B. das Gelbdurch Glänzen ins Braune. Zum Glänzen dienen Rollen von geschliffenemGlas, zum Platiren oder Narben, Rollen mit feineren oder gröberen senkrechtauf die Achse eingeschnittenen Kerben. In allen besser eingerichteten Garbe'reien werden diese Werkzeuge mittelst der sogenannten Appretirmaschine gehand-habt. In einem Gerüste ist eine senkrecht herabhangende, pendelartig hin- unbher bewegbare Stange, an deren unterem Ende jene Rollen eingesetzt sind, f öangebracht, daß letztere gerade auf dem aus einer starken Platte vontem Holze construirten Arbeitstisch ruhen. Das obere Ende der senkrechte"Stange ist mit einer federnden Querstange verbunden, wodurch der nöthigDruck auf das Leder hervorgebracht wird, der mittelst Stellschrauben nachdücfniß verändert werben iatm. In der Regel werden die Felle zuerst geglaniund erhalten dann die Platirung, d. h. Eindrücke von parallelen Linien, die stin schräger Richtung schneiden und so die künstliche Narbe bilden. -
Bei den Schaffellen ist es hauptsächlich die größere Dicke, welche sie l"viele Anwendungen zu Saffian ungeeignet macht. Man hat jedochwohlfeile und reichlich zu habende Material der Saffianfabrikation mittelstSpaltmaschinen (s. S. 569 d. B.) zugänglicher zu machen gewußt. I"ßen Fabriken spaltet man das ungegarbte Fell auf diefeArt, und verarbeitetNarbenseite mit einem entsprechenden Theil der Dicke zu Saffian, die FleljIfeite dagegen mit dem andern Theil der Dicke für sich zu samifchgahrem H"schuhleder. _
Der Corduan, der früher eine größere Rolle spielte, ist ein aus I ^ren Bock- und .Ziegenfellen und zugleich weniger geschmeidig ausgear ei *dem Saffian ähnliches Leder, welches ebenfalls verschiedenartig gefar t ^und sich von dem Saffian hauptsächlich noch dadurch unterscheidet, dap