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Phyto- und Zoochemie / Leopold Gmelin ; bearb. und hrsg. von C. G. Lehmann und Dr. Rochleder
Entstehung
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ZOOCHEMIE.

Einleitung.

Der Begriff der Zoochemie ist vielseitig falsch aufgefasst wordenund wird es noch heute. Es konnte nämlich wohl in früherer Zeit,wo man eine Eintheilung der organischen Körper in Farbstoffe, Fetteund ätherische Oele, Extractivstofie u. s. w. noch für rationell hielt,einigermafsen entschuldigt werden, w r enn man diejenigen Stoffe, welcheman vorzugsweise in thierischen Organismen gefunden hatte, unterdem geuerellen Kamen der zoochemischen zusammenfasste. Alleinheute, wo die allgemeine Chemie wenigstens angefangen hat, eineWissenschaft zu werden, wo wir so weit gekommen sind, um diegrofse Mehrzahl der chemischen Stoffe in ein logisch begründetes,umfassendes System einzuordnen, wo wir dahin gelangt sind, anstattder früheren Beschreibungen von Stoffen bestimmte, nach gewissenTypen geordnete Begriffe chemischer Materien aufzustellen, deren phy-sikalische und chemische Eigenschaften in den innigsten und bestimm-testen Beziehungen zu einander stehen: heute würde eine Zusam-menstellung der zufällig in thierischen Körpern gefundenen Stoffenur eine völlige Verkennung des heutigen Standpunctes der orga-nischen Chemie verrathen. Sähen wir nicht täglich noch in Collegien-vorlrägeu und selbst in besonderen Werken die Zoochemie in jenemtrivialen Sinne auffassen, wir würden es für völlig überflüssig halten,hier noch des weitern auf das einzugeheu, was allein heutzutageunter Zoochemie verstanden werden kann. Wir brauchen zunächstkaum daran zu erinnern, dass in der Zoochemie eine Menge Sub-stanzen eine höchst wichtige Bolle spielen, die Niemand als vorzugs-weise thierisch bezeichnen wird, da sie hauptsächlich im Pflanzen-reiche vorgefunden und gebildet werden, z. B. der Zucker; dass dieser,wenn einmal eine Spaltung in Phytochemie und Zoochemie beliebtwird, der ersteren Disciplin wesentlich anheimfallen müsste, verstehtsich von selbst, und doch würde Niemand die chemischen Vorgängeim lebenden Thierorganismus zu begreifen vermögen, wenn er nichtwüsste, dass der Zucker, abgesehen von seiner Bildung in der Leber,eben so wichtig für die Ernährung und das Fortbestehen des thie-rischen Organismus ist, als Fette und Eiweifsslofl'e, und dass dieletzteren, die mau früher für eigenthiimlieh dem Thierkörper ausah,diesem nur aus dem Pflanzenreiche zukommen.

Gmelin, Handb. VIII, 2. Org. Cheui. V, 2.

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