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Phyto- und Zoochemie / Leopold Gmelin ; bearb. und hrsg. von C. G. Lehmann und Dr. Rochleder
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Transsudate.

Krebs, Lungentuberculose, erhebliche Säfteverluste etc.) die in denAusscheidungen enthaltenen Mengen des Albumins herabsetzt, gehtaus den oben aufgezeichnelen Angaben hervor. C. Schmidt machtzugleich darauf aufmerksam, dass, je mehr Eiweifs dem Blut aufeinem anderen Wege entzogen wird (Albuminurie), desto wenigerin das Transsudat übergeht. Derselbe hat nachgewiesen, dass, wennbei einfachem Hydrops in bestimmter Zeit 8,92 (ievvichtstheile durchTranssudation aus dem Kreislauf auslreten, bei einem in derselbenZeit stattlindenden Eiweifsvcrlust von 17,40 durch den Harn das(peritonäale) Transsudat nur 1,38 Gewichlstheile Albumin aufnimmt.Eine fernere Regel ist die, dass bei Verlangsamung des Biutlaufs inden Capillaren der Behalt des Transsudats an Eivveiis wächst. Herz-krankheiten, Leberalfectionen etc., die eine Stauung des Bluts in den(iefäfsen des Unterleibs nach sich ziehen, haben eine reichlichereAusscheidung von Eiweifs zur Eolge. Bei entzündlicher Hyperämie,in welcher die Blutcirculation nicht unbedeutend gestört ist, wirdein albuminreicheres Transsudat gebildet, wesshalb alle sog. fibrinö-sen Ausschwitzungen mehr Eiweifs enthallen als die sog. serösen.

Stagniren die Transsudate lang in der serösen Höhle (Hydrocele,Hydrovarium etc.), ohne ganz resorbirl oder nach aufsen entleertzu werden, so werden sie durch Wiederaufnahme von Wasser undeinem Theil der Salze aus ihnen in das Blut concentrirt und dess-halb weit reicher an Albumin gefunden als es sonst der Fall zusein pflegt.

Da die Richtung und Stärke eines endosmotischen Stromes ab-hängig ist vom hydrostatischen Druck, so wird bei (ileichsetzung desSalzgehalts des Bluts einerseits und des Transsudats andererseits,und bei Berücksichtigung der fast gänzlich fehlenden EndoMiotobilitätdes Eiweifses, mit Zunahme der Masse des Transsudats ein Austrittvon Wasser aus demselben in die Gefäfse der einschliefsenden Wände,und in Folge dessen Zunahme des Eiweifsgehalts des Transsudats,wie Hoppe (jrch. f. path. Anat., ix, p. 245268) hervorhebt, stattfindenmüssen. Die Erfahrung hat diesen Satz bestätigt.

Bei einer, drei Wochen nach der letzten vorgenoimnenen, Punction einerBauchwassersucht, stand die Peritonäaldlissi^kt-it unter einem Druck von23>nm.,5 Quecksilber, betrug etwa 9 Liter und enthielt 0,617 % Albumin ; nachabermals 3 Wochen konnten 14 Liter Flüssigkeit entzogen werden, die untereinem Drucke von m 'a-,25 Quecksilber gestanden hatten und 0,773 % Ei-weifs enthielten. Die Quantität des Transsudats, der hydrostatische Druckund der Albumingehalt stehen also zu einander in geradem Verhältnis. 1 !. W.Müi,i,Kn (Zeilschr. f. rat. Med., N. F., VIII, p. 130138) sammelte nach ein-ander aus der linken Hälfte eines Scrotums 210 CC. Hydrocelelliissigkeit, welche4,877 % Eiweifs (5,458 Eiweifs, Fett und Extraclivstoffe) enthielt, 180 CC.Flüssigkeit mit 4,386% Eiweifs (5,160 Eiweifs, Fett und Extractivstolfen) und215 CC. Transsudat mit 4,797 % Albumin (5,490 Eiweifs, Fett und extractiverMaterie).

Auch scheinen die Capillaren in verschiedenen Sladien der Ent-wicklung seröser Häute ihr Transsudationsvermögen zu ändern, wozudie oben über den Eiweifsgehalt der Amniosllüssigkeit aufgezähltenDaten die Belege liefern dürften.