Band 
Vierter Theil.
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Geschichte der einzelnen Erden.

JsaacHollandusim 14. Jahrhundert kannte bereits den Kör-per, der bei der Destillation des Salmiaks mit Kalk zurückbleibt, undnannte es sal aminoiiiscnm kxiim. Basilius Valentinus sprichtgleichfalls vom Schmelzen des Salmiaks mit Kalk, ohne indeß anzugeben,was sich dabei bildet. Für die durch Zerfließen des salzsauren Kalkes ent-stehende Flüssigkeit war im 17. Jahrhundert die Bezeichnung olenin cal-ci« gebräuchlich. — Daß concentrirte Auflösungen von salzsaurem Kalkund fixem Alkali beim Zusammengießen coaguliren, beobachtete zuerstder Italiener Franz Lana 1686; der Versuch wurde lange als »daschemische Wunderwerk» bezeichnet.— Daß der geschmolzene salzsaure Kalkphosphorescirend ist, entdeckte Homberg 1693; das Präparat wurdehiernach als Homberg'scher Phosphor bezeichnet.

Der salpetersaure Kalk wurde zuerst durch Christoph AdolphBaldewein (bekannter unter dem latinisirten Namen Balduinus oderBalduin, Amtmann zu Großenhain in Sachsen) bekannt. Dieser wolltezu alchemistischen Zwecken das unbekannte Etwas auffangen, welches dieHermetiker den «piritns mu»3i (vergl. II. Theil, Seite 230) nannten,und von dem sie glaubten, es sei in der Lust enthalten und könne zur Be-reitung des Steines der Weisen dienen. Unter verschiedenen Stoffen,welche Balduin zum Auffangen dieses Weltgeistes anwandte, gebrauchteer auch eine Auflösung von Kreide in Salpetersäure, die er für sehr wirk-sam hielt, weil sie die Feuchtigkeit der Luft rasch anzieht. Als eine Re-torte, worin das Salz zur Trockne calcinirt worden war, zufällig zerbrach,bemerkte Balduin, daß die den Trümmern anhängende Materie imDunkeln leuchtete, wenn sie vorher den Sonnenstrahlen ausgesetzt gewesenwar. Diese Eigenschaft des nach ihm lange als Balduin'scherPhosphor be-zeichneten Präparates machte er 1674 in den Schriften der Gesellschaft deut-scher Naturforscher und in einer eigenen Abhandlung klinspbornn Korine-ticns «Ive uoi-nos Inminarin bekannt. Die Bereitung wollte Balduinanfangs geheim halten, Kunkel gelang es indeß bald, diesen Phosphornachzumachen, wie er in seinem (1716 publicirten) I^Onratvrlum c1>^-inicum erzählt; auch Boyle war mit der Darstellung dieses Salzes be-kannt. Bis zu der Einführung der antiphlogistischen Nomenclatur wurdees meist als Kalksalpeter, Mauersalpeter oder erdiger Salpeter unter-schieden.