Band 
Vierter Theil.
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Ausbildung der organischen Chemie im Allgemeinen. 235

vorzugsweise die positiven Erfahrungen hervor, bestimmte Beobachtungen smummgüber das Verhalten von unorganischen Körpern zu einander. Aus der Jatro-chemie gehen vorzugsweise theoretische Ansichten hervor, und die allgemeinentheoretischen Lehren jener Zeit stützen sich hauptsächlich auf Untersuchungenvon organischen Substanzen und aus die Betrachtungen des chemischen Pro-cesses in dem Thiere und in der Pflanze. Die Einwirkung der Hitze auforganische Substanzen dient als Ausgangspunkt für die Aufstellung vonAnsichten über die chemischen Elemente; auf die Betrachtung, wie Thiereund Pflanzen wachsen, stützt van Helmont seine Idee, daß das Wasserder eigentliche Urstoff aller Dinge sei (vergl. Theil I, Seite 120 und Theil ll,

Seite 273); im Zusammenhang mit der (unrichtigen) Betrachtung der Le-densvvrgänge im Thierköcper bildet sich die Erkenntniß des Gegensatzes zwi-schen Sauren und Alkalien aus. — Die pharmaceutische Chemie, welchedurch die iatrochemischen Bestrebungen geschaffen wurde, macht sichrere Beob-achtungen, welche als Vorarbeiten zu einer wissenschaftlichen Chemie die-Uen konnten, gleichfalls hauptsächlich an den unorganischen Substanzen,uamentlich an den Metallen. Bei weitem sparsamer waren solche Beobach-tungen (das Auffinden eigenthümlicher Substanzen z. B.) in Beziehung aufdie organischen Körper; das Bestreben, aus diesen die eigentlich wirksamenBestandtheile zu gewinnen, leitete nicht zu solchen Resultaten, wie manUwhl erwarten könnte, weil man diese Bestandtheile nicht ganz isolirt, son-dern in einer passenden arzneilichen Form zu erhalten suchte. Doch gingaus diesem Streben die Auffindung einzelner wichtiger organischer Körperhervor; durch trockne Destillation stellte man aus der BenzoL die Benzoe-saure, aus dem Bernstein die Bernsteinsäure, aus dem Holz den Holzessigdar; das Aceton scheint man schon damals erhalten zu haben; die Versüßungvon Säuren durch Behandlung mit Weingeist wird bearbeitet, und derSchwefeläther gewonnen, der Milchzucker isolirt, u. a. Aber dies war im-Uter nur wenig gegen die Zahl von Entdeckungen, welche man in Beziehungouf die mineralischen Substanzen machte.

Während des Zeitalters der medicinischcn Chemie arbeitet also die iatro-chemische Richtung vorzugsweise in der Aufstellung allgemeinerer Ansichten,und berücksichtigt hierbei hauptsächlich das Verhalten organischer Substanzenäu einander; die metallurgisch-chemische arbeitet hingegen vorzugsweise in der^onstatirung einzelner Thatsachen, und beobachtet fast ausschließlich an un-vvganischen Körpern. Mit dem Beginne des Zeitalters der phlogistischen