308 Beiträge zur Geschichte der organischen Chemie.
und Weingeist aufschwimmenden Flüssigkeit machte zuerst Kunkel in seinerLpistola contra spiritum vini sine sciiio (1681) aufmerksam. DieseEntdeckung wurde damals nicht beachtet; die Erscheinung selbst zu beob-achten, bot sich auch immer weniger Gelegenheit, da man zu jener Zeitanfing, den salpeterätherhaltigen Weingeist durch Destillation von wenigSalpetersäure mit vielem Weingeist darzustellen. Fr. Hosfmann schreibtin seiner Sammlung OOservstionum pllvslco - clivmicarum selectiorum1722 vor, auf 1 Theil Saure wenigstens 5 bis 8 Theile Weingeist zunehmen, während man früher meist gleiche Gewichtstheile beider Sub-stanzen auf einander einwirken ließ. Zunächst machte auf den eigentlichenSalpeteräther Navier, Arzt zu Chalons sur Marne, wieder aufmerksam;er hatte zufällig bei dem Mischen von Salpetersäure und Weingeist einenätherischen Geruch wahrgenommen, und als er gleiche Volume beider Flüs-sigkeiten mischte, und das Gefäß sogleich verschloß, schwamm nach 10 Tagenein ätherisches Oel oben auf. Diese Wahrnehmung theilte er 1742 durchDuhamel der Pariser Akademie mit; die entstehende Flüssigkeit wurde alseine dem Frobeni u s'schen Aether sehr nahe kommende bezeichnet. DieselbeBeobachtung veröffentlichte 1746 G. H. Sebastian! in seiner Ilissertatio4e nitro, ejus iclatioolbus et inollo cuin ejr>8 sciüo oleum uspirtliaepai-anäi, und zwar, wie namentlich von R. A Vogel in dessen lustitu-tionibus Ollemise (1755) versichert wird, ohne von Navier's Versucheetwas zu wissen. — Der Methode, in einem hohen Gefäße Salpetersäure,Wasser und Weingeist über einander zu schichten, wo sich bei der allmä-ligen Mischung Salpeteräther bildet, bediente sich Black 1769; nach einemllr. Fischer, durch welchen diese Darstellungsweise in Deutschland haupt-sächlich bekannt wurde, nannte man sie auch oft die Fischer'sche. DerNavier'schen Darstellungsweise näherte sich wieder Tielebein in Schwerin,welcher 1782 als die beste Bereitungsart angab, starke Salpetersäure undWeingeist in der Kalte in einem sogleich zu verschließenden Gefäße zu mischen,und den sich bildenden Aether zu scheiden. Dieser Vorschlag gab zur Veröf-fentlichung einer Menge von Aufsätzen und zu einer lange dauernden Discus-sion hinsichtlich der Zweckmäßigkeit desselben Anlaß. — Daß sich der Salpeter-äther auch durch vorsichtige Destillation von Salpetersäure und Weingeist dar-stellen lasse, zeigte zuerst G. M. G. Henkel in seiner vissertstio 6e nsplltllsnitri eliam per i^nem elssioraulls (1761). Die vielen einzelnen Vorschriftenzur Bereitung dieses Präparates können hier nicht alle aufgezählt werden.