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Erasmi Francisci Ost- und West-Indischer wie auch Sinesischer Lust- und Stats- Garten, mit einem Vorgespräch von mancherley lustigen Discursen : in drey Haupt-Theile unterschieden. Der erste Theil begreifft in sich die edelsten Blumen, Kräuter, Bäume ... und Specereyen ... der ander Theil das Temperament der Lufft und Landschafften daselbst; die Beschaffenheit der Felder, Wälder, Wüsteneyen, die berühmten natür- und künstliche Berge ... der dritte Theil das Stats-Wesen, Policey-Ordnungen, Hofstäte, Paläste denckwürdige Kriege ... aus den fürnemsten, alten und neuen, indianischen Geschicht-Land- und Reisbeschreibungen ... eingerichtet
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wie auch GmesischenLust-undGtnts-Gartens.

r§45

Es sind aber die Gebäue/welche man

am Käiserlichen Hofe in so grosser Men-ge sihet/ allesamt gantz herrlich und präch-tig ausgeputzt/ und mit vergüteten Gal-dereyen/ wie auch Gitter-und Büd-Wer-cken / von aussen so künstlich sezieret / daßsie niemand aus Europa ohne Verwun-derung/ ja Bestürtzung/ sehen konnte.Ihre Vorgiebel stehen aufbieten starckenPfeilern / und sind mit weiten und brei-ten marmelsteinernen Galdereyen/ wor-unter man gemächlich kan spatziren ge-hen / herrlich geschmückt. AllesHoltz-Werck daran / so zwischen dem Mauer-VZerck liget/ ift siarck vergütet; dazu mitgewissem Lackwercke / oder Leim / bestrr-chen: welches von den Sinesern o-e ge-u-nnt wird / und gemeldtem Holtze so hel

Ken und scheinen kam Wredenn auch mttdemselben ercdie Sineser ihreHausrath/Schiffe / und Häuser dergestalt bestrei-ken / daß sie gläntzen und scheinen/wieSpiegel.

. Ihre Dächer feynd gedeckt mit gla-mrten gelben Dach-Ziegeln/welche/wenndie Sonne ihre Stralen darauf wirfft/trutz dem reineften Golde gläntzen: alsogar/daß/wie allbereit auch zuvor gedacht/manche dadurch in Meinung gerathen/sie wären mn klarem Golde überzogen.Neben vorgemettem Graben / welchermcht tleff/und mit Gras bewachsen / si-

het man/ auf diesem Hofe /auch einen Lies-sen Graben/welcher in vielen krummenGängen durch den gantzen Hof fleusst/und unterschiedene Pfuhle darinnenmacht/ imgleichen die Kraut-und Baum-Gärten/Gepüsche und Wiesen/zur Gnü-üe wässert. Dieser Graben empfängtsein Wasser aus dem Fluß Vo: ist/auchinnerhalb deß Käiserlichen Hofs/so tieffund breit/daß er große schwer-beladeneSchiffe träget. 0)

BemeldterFluß schlinget und schlan-Ut sich auch um etliche/ von kunstreicherHand aufgerichtete/Stein-Felsen/ die ausunterschiedlichen Marmelsteinen berei-st, / und mit allerhand Püschen undBlumen bepfiantzet sind. (^)

Wenn man alle andre unvergleich-Me Kunst-Stücke/ an Luft-und Thier-gärten/ Bächen/Pfühlen/und Teichen/Mnst allen und jedweden Rariteten / soMu Hofe eine unbeschreibliche Zierund Herrlichkeit ertheilen/der Länge nach

sAe verbot-mis fere.

dem zweiten ThcN ausführlicher gehandelt/

wolle erzehlen; würde solches / wie unserHerr Neuhofvermeint / ein gantzes großfes Buch erfordern.

Gmnebaid. Aus dieser NeuhöstschenRelation und BMreibuug/spühre ich/daß/bey heutigerZeit/der MißrrlichePa-lastK jn etlichen Stücken verän-

derlich falle / in etlichen aber übereinkom-me mit der alten Käiserl.Burg/Lie Pau-lusVenetus gesehen: welcher im JahrChristi 1275. die Provintz Peking durch-gereiset/ unddasKäiserltche Palatiumin diesem Zustande gefunden.^- ^

Der gantze Begriff der Burg nahm 3 " Kl-einen Platz von vier Welschen Meilenein; nemlich jedwede Seite eine Meile. PaulusDie umhergehende Mauer war sehr dick/und zehen Schritt hochrgläntzteauswen-big von weisser und roter Farbe. An jed- fm.vcnkwederer von den vier Ecken der Maurenstund ein schöner und grosser Palast/ anEtat eines Castells/ erbauet: deßgleichenin der Mitte jedwederer Seiten auch eintreffliches Schloß: aljo/daß solcher Ca-stele/ in allem / achte waren. In solchenSchlössern lagen die Rüstungen / Ge-wehr und Waffen/nebenst allerhand Ge-schutz-und Kriegs-Jnstrumenren: jedochalso / daß / in jedem Zeughause / eine be-sondere Art von Gewehr verwahretwurde. ^

Weiter/so hatte die Serte deß Pa-latii/welche gegen Mittag stund / funffThöre/ unter denen das mittlere am al-lergrößtsten/und keinem geöffnet ward/ohn allein dem Groß-König. Es hat a,ber diese grosse Pforte zwo kleinere Ne-ben-Pforren/ dadurch die Begleiter undFolger deß Königs giengen. An den an-dren dreyen Seiten/fand man nur alle-mal eine Pforte/dadurch einem jeden zugehen erlaubt.

Nach gedachter auswendigen Mau-ren/kam man zu einer andren Mauer/ soden Käiserlichen Palast umringte: die-selbe war gleichfalls / an ihren Ecken/undin der Mitte / mit acht Castellen bebauet/darinnen andreGeschirr / und köstlicheSachen/enthalten. Auf dem innerstem.Mittel-Platze aber stund derKäiserlicheWohn-Palaft: welcher keinen Altan s)aber ein Pflaster hatte/js sich unten ZehenHandbreit erhub. Das Dach war sehrhoch / und mit Mahlwerck geziert. DieWände der Hof-Plätze / Säle / und Ge-mächer/blinckten von Golde unöSilber.

Zz^zzz Allent-

(y §olsnum, stehet rm Lateinischen : Welches eineSonnemUhr/und ein Altan hciffeu / Mch wol eine an-dre Bedeutung haben kan.