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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Noch einmal sehen wir uns doch nach unserm geographischenNachmannc, dem Schweizer um, er ist so wenig wie wir Deutsche

dem platten Lande wohnten. Alles, namentlich der Handwerkerstand,fühlte sich wohl und behaglich. Die Belebung der Gewerbe verdankteman allein dem Absatz nach dem Auslande. Weit entfernt, den vater-ländischen Gewerbfleiß mittelst Unterdrückung des ausländischen hebenzu wollen, ließen die Hanseaten vielmehr diesen ruhig neben jenembestehen und bewiesen sich hierin viel großherziger, als die unsern Ta-gen angehörenden, handeltreibenden Völker. Sie allein stifteten Ord-nung und Rechtlichkeit im Verkehr, stellten mit unermeßliche» Kostenund Bemühungen die Sicherheit auf den Meeren wieder her und be-lebten mit nachahmungswerther Umsicht, wohin sie kamen, die Ge-werbe. Doch darf man, wie uns Densen sehr richtig bemerkt, nichtwähnen^ daß die Hansa allein die Kraft der deutschen Städte in sichbegreift. Da war die freie Reichsstadt Aachen, die im Zahr 1387nicht weniger als 19,826 wehrhafte Männer musterte, da war Straß-burg, das über 20,060, das große gewerbthätige kunstreiche Nürn-berg, das gar über 50,000 »ach Konrad Keltes noch im Zahr 1500in seinen Mauern barg, da waren Ulm, Augsburg und viele anderereiche und tüchtige Städte am Rhein, in Schwaben und Franken, diean der Hansa keinen Theil hatten, deren Handel nach Frankreich, Un-garn, Italien, namentlich aber über Venedig nach dem Orient ging,da war Wien, welches den Verkehr mit Konstantinopel, das nichtkleinere durch Karl so begünstigte Prag, welches den mit Rußlandund Polen leitete, während die Hansa ihre Stapelplätze u. a. zuBrügge (später zu Antwerpen), zu London, zu Bergen und Nowgorodbesaß. Unser deutsches Vaterland beschäftigte sich damals mit demZwischenbetrieb aus fast allen Ländern Europas und beruhte auf demproduktiven Gewerbfleiß der eignen Städte und der Kraft seiner Bür-ger. Nur diesen dankte es seinen Wohlstand, nicht den Rittern, denndiese störten ihn weit mehr durch ihr schmachvolles Wcgelagern, nichtden Fürsten, denn diese (vor Allem die Kirchenfürstcn) brachten mittelstrücksichtsloser Errichtung von Zollschranken den Handel mancher blü-henden Stadt ins Stocken, preßten von dem Schweiß ihrer Untertha-nen und machten, unbekümmert um das Wohl ihres Volkes, aus ih-ren Höfen Tummelplätze wilver Vergnügungen und roher Schwelgerei,nicht der Kaiser, die damals (der feile Karl IV., der faule SchweigerWenzel, der luderliche und leichtsinnige Sigismunv, der faule, kurz-sichtige Friedrich III.) als schamlose Trödler sich zeigten, welche dieherrlichsten Vorrechte deö Reichs um schnödes Geld verhandelte». Un-ter all diesen Unbilden rettete des Bürgcrstands Selbstständigkeit,Rechtlichkeit, Kraft, Sitte und Tugend fast ganz ausschließlich dieEhre unsers Vaterlandes, des deutschen Volkscharakters. Unsere Vor-ältcr überragten damals an gewerblichem Scharfsinne, an Er-