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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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welche sticken und näbcn wollen, Arbeit finden, beweisen zur Genüge,welche ausgebreitete NabrungSquclle schon in dem jetzigen Zustandedie Handschuhfabrikation darbietet, wie sie viel lohnender, denn jeneBeschäftigungen sich zeigt. In Luremburg besitzt Herr FranzJoseph Lafabatin wohl eine der großartigsten Handschuhfabrikender Erde, die feine lederne Handschuhe in den mannifachsten Qua-litäten, Farben und Längen, in dänischen, englischen und andernFagons liefert, und zwar durchgängig eine, sowohl durch weichesund zartes Leder, als durch schickliche Form und geschmackvolle solideNäbcrei auf das Vortheilhafieste sich auszeichnende Waare. Sie pro-dncirt dermalen jährlich wohl nicht weniger als 30,000 Dutzend,täglich 1200 Paar Handschuhe für den Welthandel. Die Rohstoffe junge Ziegenfclle bezieht dieses höchst interessante Etablissementzur Hälfte aus der Schweiz, zur Hälfte aus Deutschland. Als rohbehaarte blutige Felle passiren sie dessen Thore zum erstenmal undverlassen sie für immer nur in der Form der elegantesten Glays-undanderer Handschuhe. Ohne die Schaffelle zu rechnen, welche zuHandschuhen einer zweiten Qualität verarbeitet werden, gerbt undverarbeitet diese Fabrik (wie uns Rößler, dessen mehrerwähntemBericht diese Notizen entnommen sind, erzählt) jährlich 180,000 (so-mit jeden Tag 500 Stück) junge Ziegenfclle. Sie beschäftigt in deneignen Fabriklokalen 90 Arbeiter und außer dem Hauff nahe antausend Arbeiterinnen, welche das Nähen der Handschuhe be-sorgen, zum Theil in der Stadt selbst wohnen, wenigstens zur Hälfteaber in den im Großbcrzogthum Luremburg zerstreuten Dörfern undLandstädtchen.

Sollte ein solch' großartiges, so tief ins Volkswohl eindringen-des Gcwerbsunternehmen in unserm Hessen nicht zur Errichtungähnlicher Veranlassung geben? um so mehr, als jene Mainzer Fa-brik, wie schon erwähnt, die Rohstoffe zugearbeitet in der bestenQualität uns zu liefern im Stande ist, und zu Bensheim ein höchstindustriöser Handschuhfabrikant bereits ansäßig, somit das Fundamentzu solch' segensreichem Bau bereits gelegt ist. Für was brauchenwir unsere Ziegen-, Kalbs- und Schaffelle u. a. nach Luremburgzu schicken und mit schwerem hessischem Gelde beim Einkauf jenerMenge von Handschuhen fremden Arbeitsverdienst zu bezahlen. Der-gleichen werden zu Hanau und Cassel aller Art und Güte, denfranzösischen nicht nachstehend, gearbeitet und vornehmlich von der