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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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überzog. In späterer Zeit wurde die schon zum Lupus übergehendeHmdbekicidung aus leinenen und leichten Stoffen gestrickt, (beschäf-tigte sich ja selbst hiermit Anna, die Mutter der Marie und daherSchutzpatronin der Handschuhmacher in Frankreich,) während manden Fehdehandschuhe, seinem Zweck entsprechend, nur aus starkem,steifem Leder fertigte. Jetzt ist das Tragen der Handschuhe, welcheman möglichst fein, zart, zierlich und mit hübschen Nähten herstellt,mehr ein Putz-, ein Lurusgcgenstand, als eine nützliche Bedeckungder Hände gegen Kälte und ähnliche unangenehme Einflüsse. ZuBlois, Chaumont und Vcndomc, woher u. a. Christine von Schwe-den die ihrigen bezog, mögen wohl die ersten Fabriken dieser feine-ren Handschuhe cristirt haben. Unfern von Vendome liegt Grafse,das gleichfalls diese Waare im Welthandel lieferte, jedoch, da die

loco Darmstadt mehre Belcgsteine von bedeutender Größe haben, derEinführung dieser Erwerbsquelle nicht das Wort reden, so lange nichtdie Ungefährlichkeit des Belcgenö der Glasplatten mit Quecksilber, so-wie der Umstand erwiesen ist, daß der Bedarf an rohen Gläsern nichtmehr wegen der hohen Brennmaterialienprcise großentheils weit herbezogen werden muß. Meine Absicht war nur auf diesen Industrie-zweig, der unserm Thalitter-Kupfcr durch die nöthigen große polirtenGicßtupsertafeln eine schickliche Verwendung geben, zu gleicher Zeitunsere Tischler (ähnlich wie in Fürth, wo zu den dort gefertigt wer-denden Spiegelgläsern diese nicht weniger als 900 verschiedenen Sor-ten von Spiegelrahmen liefern) und Vergolder beschäftigen könnte, auf-merksam zu machen und zunächst einen weiteren Anstoß zu geben, durchEinbürgerung von fremden Handschuharbeitern und -Arbeiterinnen dieseErwerbsquelle innerhalb unserer Grenze» zu verpställzkll.

Wir sollten um so weniger zur Erreichung dieses WohlfahrtS«zweckes etwaige Kosten scheuen, als gerade unser hessischer industrielleSinn bereits aufs Glänzendste bewiesen hat, zu welch' reichlicher Nah-rnngsqnelle die Bearbeitung des Leders geschaffen werden kann. Werdenkt hier nicht an unsere Offenbachcr Etuis- und Briefta-schenfabriken, die alle möglichen Reise- nnd andere Neeeffaires,sowohl von glattem als gepreßtem Leder, Etuis für Herrn und Da-men, Brieftaschen, Notizcnbücher, Cigarren- und Tabaksfntteralc, Da-mentaschen, Körbchen, Gürtel in den verschiedenanigsten, jederzeitaber äußerst geschmackvollen Dcffins fertigen, in aller Herrn Länder,trotz aller Eingangszölle, Sceaffecuranz nnd sonstigen Spesen mit Vor-theil absetzen, in der ganzen Well vor allen ähnlichen Arbeiten dasgrößte Nenomms genießen und sehr vielen Etuisarbeitcrn, Buchbin-dern. Stahlarbeitern und Tischlern Jahr aus, Jahr ein Nahrungverschaffen.