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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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351
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Wie bei diesen Unterrichtsanstalten nur Glieder derjenigenKette von Schöpfungen, welche die wahre Hebung und Wohlfahrtdes Volkes herbeiführen sollen der Gcwerbshülfsvercin aufs

vereine machte, reiste in mir auch der Entschluß, ebenfalls eine Fort-bildungsschule zu errichten. Ich suchte erst die Besten und Verständig-sten der Gemeindemitglieder darüber zu sprechen und zu gewinnen;diejenige» Handwerker, welche in ihrer Jugend gereist hatten, waren schonvon selbst gewonnen und klärten die Andern über den Gegenstand auf.Es wurde, als die Sache reif zu sein schien, eine Versammlung ge-halten, die Statuten zn dem projektirten, unten näher bezeichneten»Verein zur Bildung des Volkes in der Pfarrei Reichelsheim" (welcherLeseverein, Fortbildungsschule, Singverein und Abcndversammlungenin sich faßt) vorgelegt, durchgesprochen und angenommen; ein Vorstandgewählt und die Vorarbeit nach und nach beendigt."

»Unsere Gemeinde hat kein Vermögen und konnte uns mit Nichts,außer dem Nathhaussaal, unterstützen. Deßhalb waren wir ganz aufuns beschränkt; doch auch so ging es. Da wir keine eignen Bänkeund Tische hatten, so liehen wir uns welche von Wirthen; Wandta-fel, Cirkel, mehrere Lampen, einen Kasten zur Aufbewahrung vonKreide rc. und Holz wurden angeschafft und ein Diener angestellt, wel-cher das Heizen, Anzünden der Lichter und die Gänge zu besorgenhrt und dafür monailich 2 fl. erhält. Da mehrere Lehrer und auchandere zum Unterrichten taugliche Männer hier wohnen, so kam unsd'.cs vortrefflich zu Statten, indem die Vertheilung der Stoffe dieSache nicht zu einförmig macht und keinem Lehrer die Mühe zu großnird."

Anfangs hatten wir circa 70 Schüler, da auch aus den Filial-o.ten sich mehrere meldeten; letzteren ist es jedoch bei dem bösen Wet-t«r zu beschwerlich geworden und sie haben die Anstalt deßhalb ver-lcffen. Auch noch einige von hier, die uns von vorne herein keingwßes Vertrauen einflößten, sind wieder abgefallen, so daß wir jetztn-ch 55 Schüler zählen, von welchen 30 Banhandwerker sind."

Dreimal wöchentlich im Winter ist Abends von 710 Uhr Unter-rcht; 2 Stunde» werden zur Flächen- und Körperberechnung, 2 Stun-den für deutsche Sprache (Briefe, Quittungen, Rechnungen rc.s, 2Stunden zum Rechnen, 1 Stunde zum schriftlichen Lesen, 2 Stundenz>r Lehre über die praktische Ausführung von Baute» verwendet. Sonn-t<gs Nachmittags werden noch 2 Stunden im Zeichnen unterrichtet.Ter sämmtliche Unterricht wird von 6 Lehrern ertheilt Der Anfangbnr Schule ist den 1. November, das Ende den letzten April. ImSommer wird nur am Sonntage das Zeichnen fortgesetzt werden."

»Wir haben 2 Klassen von Mitgliedern, ordentliche und außerordent-lche; letztere sind diejenigen, welche durch einen freiwilligen Beitragde Sache unterstützen und dafür das Recht besitzen, nach Belieben zu-