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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Thätigste mitwirken kann, so auch konnte er sich bei der Anschaffungvorzüglicher

V o l ks sch riften

und unentgeldlicher Vertheilung Behufs möglichst allgemeiner Be-

zuhören und zu berathenden Vorstandsmitgliedern gewählt zu werden;die ordentlichen (Schüler) bezahlen wöchentlich 3 Kreuzer, welche beizahlreichen Beiträgen der außerordentlichen Mitglieder, den armen Ge-sellen oder Lehrjungen erlassen werden. Der Unterricht geschieht un-entgeldlich; jedoch hoffen wir, daß von den auf beiden Seiten einge-henden Geldern soviel übrig bleibt, um den Lehrern wenigstens einekleine Vergütung für ihre Mühe gewähren zu können."

So ist denn bei uns auch mit diesem wichtigen Gegenstände derAnfang gemacht und, so der Herr will, soll es immer besser gehenund die Theilnahme der Erwachsenen, welche freilich jetzt noch sehrgering ist, mit jedem Jahre sich steigern. Der allgemeine Centralver-cin des Landes wird auch hierauf günstig einwirken. Der gewöhnlicheMann will nun einmal erst eine solche Sache ein wenig abwarten,erst Alles in seiner deutlichen Entwickelung, in seiner Blüthe oder auchin seiner Frucht sehen, bevor er seine Aufmerksamkeit darauf richtet,und mit Rath und That unterstützt."

»Da, wo nur ein Geistlicher und Lehrer ist, kann natürlich dieFortbildungsschule nicht so umfangreich sich gestalten, wie hier, son-dern etwa nur das Rechnen, Schreiben und Zeichnen in ihren Be-reich ziehen. Wenn es einigermaßen möglich ist, müssen zwei odermehrere nahe liegende Orte sich zu einer derartigen Anstalt vereinigen,wodurch diese dann nur gut gedeihen könnte."

Auf dem Lande giebt es genug Weiber, welche man sollte esnicht glauben, aber es ist nur allzugewiffe Wahrheit nicht einmaleinen Strumpf stricken oder ei» Hemd näben und flicken können. Dagehen denn die Ihrigen entweder in löcherigen Kleidern umher oderes müssen dergleichen Arbeiten fremden Personen gegeben und dadurchunnöthige Ausgaben gemacht werden. Darum sind Industrieschulenüberall nöthig, nöthig in großen, wie in kleinen Gemcmden, nament-lich da, wo die Leute in den feinere» weiblichen Handarbeiten so we-nig wissen."

Diese Industrieschulen müssen nun namentlich im Winter tüchtigbetrieben werden, wo die Feldarbeiten nicht hemmen. Hat die Ge-meinde Vermögen, so kann und soll sie gewiß Sorge tragen, daß dieweiblichen Bewohner des Orts, die in einer Haushaltung nöthigenGegenstände lernen und denen gleichen, welche uns Zschokkc in seinemGoldmacherdorf" vorführt."

Als Lehrerinnen würde» die Frauen oder Töchter von gebildeterenBürger» oder von Förstern oder von Lehrern, selbst von Geistlichen(namentlich, wenn erstere fehlen) sich eignen und auch hier muß an