Buch 
Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
Entstehung
Seite
376
JPEG-Download
 

376

materieller Thätigkeit für die fortschreitende Erhöhung des Volks-vcrkchrs verwirklicht, so bekundet sich die vorwaltende geistige Rich-tung im höheren Gcwerbslcbcn. Seine intensive Vervollkommnungwird erzielt mittelst Aneignung und Benutzung der Fortschritte derNaturwissenschaften, der bildenden und mechanischen Künste und derEntdeckungen der Handels- überhaupt der Völkerkunde; seine äußereWirksamkeit spricht sich in seiner Thätigkeit für die Ucbcrtragnng derden Boden-, Orts- und Zcitvcrhältnisscn entsprechenden staatswirth-schastlichcn Grundsätze aus. -Die Leistungen der Kunst und Wissen-schaft in brüderlichem Bunde erzeugen den Glanzpunkt höherer In-dustrie, wie wir sie in jenen Teppich- und sonstigen feinen Geweben,in jenen Dieppcr Elfenbeinwaaren, Galanterie- und BronzewaareninS Leben haben einführen sehen, und in der Comcntration allespositiven Wissens materieller Erzeugung äußert sich die höhereGewerbsbildung. Nur mittelst dieser allein vermögen die ver-schiedenen Zweige einen glänzenden, wahrhaft lohnenden Höhepunktzu erringen. Daher, zumal für die jetzige Zeit, die Real-, höhe-ren Gcwerbschulcn und polytechnischen Institute, willman über das ganz gewöhnliche industrielle Wirken sich erheben, gar-nicht mehr zu missen sind. Dieses erklärte sehr klar schon im Jahr1830 oder 31 unser wahrhaft edler Patriot, der Großherzogi. Ober-forstmeister von Dörnberg, als er damals einen desfallsigen Antragden versammelten Hessischen Landständen vorlegte. Ebenso einigeJahre später der vortreffliche, vor Kurzem im fast vollendeten 76stenLebensjahre Heimgegangene Gg. Friedrich Hever, (der, als siebentes,höchst bedürftiges Försterkind einst mit'dem Nänzchcn auf demRücken und 24 kr. in der Tasche, in seinem 13ten Jahre aus demHinterlanvc nach Gießen wanderte, um, da sein Pathe ihn für einenJägersburschcn zu schwächlich erklärt hatte, dort irgend wie sein Brodzu suchen und gleich Torlonia, dem jetzigen römischen Crösus oderCrassus seine Laufbahn als Laufjunge begann und als Folge seineruncrmüdct spekulativen Thätigkeit als eine der gcachtetsten und wohl-habendsten deutschen Buchhändlernotabilitäten sein segensreiches, rast-los thätiges Dasein beschloß), als er wenige Jahre nach der Juli-revolution im Gießer Gemcinderath die Gründung einer Gcwerb-schulc beantragte und somit die erste erfolgreiche Anregung zu allenseitdem in unserm Hessen ins Leben germUien gab. Denn nicktallein daß man zu Gießen die Worte eines der verständigsten und