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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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dern man läßt sie solche Gegenstände in der anregendsten, unterhal-tendsten Abwechslung zeichnen, welche ihnen einst in ihrem gewerb-lichen Berufe von Interesse sein können. So u. a. herrliche Vasen,Leuchter und andere Möbels, Fayadcn schöner Gebäude, Säulen-

chem reichen Stylgefühl ausgeführt, wie nur Meisterwerke es sei» könne».Die Ideen der Allegorien und Vorstellungen darauf und daran sind stetsdie launigsten und denkbar naivsten Spielereien eines tief sprudelndenGeistes, entsprechen sie doch stets dem Ganzen, den, Zweck des Da-seins als Lampe. So hockt, um nur einiges Wenige hervorzuhe-ben, auf dem Deckel einer niedlichen Nachtlampe, die wer weiß, beiwelch' heimlichen Amte der Nacht leuchtete, ein lieblicher Amor, der,einer GanS mit beiden Armen den Hals umschnürend, sie an sich drückt,damit ihr Ton ersticke, dabei guckt der Knabe aufs pfiffigste und schel-mischste sich um. Die Bewegung der ganzen Gruppe und der Aus-druck des Knaben wie der Gans sind wunderlieblich, rein der Naturabgestohlen und überdies zum Griff des Deckels aufs geschickteste be-nutzt. Auf vielen Lampen sitzt eine Maus, vielleicht als Symbolder nächtlichen Ungestöitheil; ähnliche charakteristische Spielereien ge-wahrt man auf fast sämmtlichen übrigen Lampen, man sieht ein förm-liches Leben in dieser kleinen bronzenen Welt, in diesen offenbar zuWegweisern durch die lange dunkle Nacht bestimmten, verzierten Ge-rüche, die sicher mit ihren so höchst mannigfaltigen lieblichen Gebildendie weite Leere der schlaf- und traumlosen Zeit des Ruhenden ausfül-len, seiner Phantasie Anhaltspunkte darbieten sollten, um von hieraus weiter ihr Gewebe auszuspinnen. Wie angenehm muß sich beisolch einer Lampe eine Nacht durchwachen und durchträumen lassen!Wie leicht knüpfen sich jene Gebilde in die des Traums bei dem leisedahin Schlummernden. Bei keiner einzigen von allen diesen Kunst-schöpfungen vermisse» wir die wohlthätigste Nahrung für des BeschauersGeist und Gemüth, bei keiner zeigen sich die Grenzen des Schönen über-schritten, in das Widerliche, unnatürlich Craffe hinübergeschwcift. BeiAlten zeigte sich i» allen Lebcussphären die Idee so gewaltig, so über-zeugend und ergreifend, daß das ganze Wesen sich ihr hingab und un-vermerkt in solch schönen Forme» die Idee sich verkörperte. Mittenzwischen solchen reine», vollendeten Kunstschöpfungen unter dem herr-lichen, tiefblauen, südlichen Himmel, in der üppigsten Farbenpracht ver-lebte unser Lucas der Jahre. nicht wenige und man wird mir nichtverdenken, bei dem außerordentlichen Einfluß der Anwendung eines ge-läuterten Geschmacks auf die Ergiebigkeit einer Erwerbsthätigkeit,wenn mir gerade des trefflichen Landschaftsmalers zum Gedeihen dieserhöheren Gewerbschulc eine Garantie dünkt, ich sie als eine höchst glück-liche Acguisition zur gesunden Ausbildung des Gefühls, des Schönen,des Geschmacks, der Farbenharmonie betrachte.