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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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374 Bestandtheile des organischen Reichs

lenwand; Mohl ist dagegen der Ansicht, daß der Kern vonder Zellenwand wie von einer Blase eingeschlossen wird undselbst bei dem Entstehen der Zelle immer in einem gewissenAbstände von der Wand entfernt bleibt und nicht in der Zel-lenwand liegt. In diesem Falle hat der Kern also keine un-mittelbare Gemeinschaft mit dem Zellenhäutchen.

Ferner hält Schleiden für die erste Zellenhaut dieje-nige, welche später die äußerste Haut ausmacht, während esumgekehrt nach Mohl diejenige ist, welche er Primor-dialschlauch nennt und welche später ganz -verschwindet(siehe unten Zellenwand). In diesem Primordialschlauch siehtMohl den Kern; der Kern liegt entweder an der innernWand und scheidet sich später davon ab, oder er ist durchFädchen, welche von ihm auskaufen, während eine schleimigeHülle ihn umgiebt, mit dem Primordialschlauch so verbunden,daß er sich mitten in der Zelle befindet, gleich einer Spinnein ihrem Gewebe. In anderen Fällen ist der ganze Raumzwischen dem mitten in der Zelle gelegenen Kern und derZelle selbst mit blasenförmigen Theilen angefüllt, deren Wändeaus derselben so eben erwähnten schleimigen Substanz beste-hen, woraus auch jene Fäden gebildet sind *).

Mohl's Ansicht zufolge geht also die Bildung des Kernsnicht von dem Kernkörperchen und die des Zellenhäutchensnicht von dem Kerne aus.

Dieselben Beobachtungen finden wir auch bei Valen-tin **), namentlich die, daß bei manchen animalischen Ge-weben der Kern nicht unmittelbar mit der Zellenwand zusam-menhängt, daß aber sternförmige Fäden von ihm ausgehen,vermittelst welcher er mit der Zellenwand oder mit anderenangränzenden Theilen communicirt.

Die Funktion der Kerne in Bezug auf die Zellenbildungliegt daher noch ziemlich im Dunkeln.

') Siehe unten Zellenwand.

**) Wagner's phnsiol. Wörterbuch. S. 623.