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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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mit eigenthümlichen Formen.

und so entstehen immer kleinere Segmente, welche sämmtlichdurch convergirende Flächen getrennt sind, bis der Dotteraus einem Agglomerat kleiner Gruppen oder von Molekülenbesteht, welche sich endlich zu selbstständigen Zellen ausbilden.Die Scheidewände verschwinden später, und an ihre Stelletreten die Zellenmembranen.

Wir müssen unsere bisherigen Ansichten über die Zellen-Vermehrung, welche wir den Beobachtungen Schleiden'sund Schwann's verdanken, für die Fälle, wo Theilungstattfindet, modificiren. Selbstständige Zellen sind hier dasResultat einer von den constituirenden Molekülen ganz un-abhängigen Theilung; die organischen Moleküle bleiben solange passiv, bis die Theilung vor sich gegangen ist, und erstdann, wenn sie zu einer selbstständigen Gruppe vereinigt sind,fangen sie an, die ihnen eigne Lebensthätigkeit zu äußern.Bei der Zellenbildung durch Theilung würde die Thätigkeitin der großen Zelle von bestimmten Stellen der Membranausgehen; es würden also in der Zellenwand die Moleküleliegen, welche den ersten Impuls zu organischem Leben geben.

Obige Thatsachen sind mit den Beobachtungen Schlei-den's und Schwann's über die endogene Zellenbildungschwer in Uebereinstimmung zu bringen und umhüllen die Lehrevon der Fortpflanzung der Zellen mit einem noch viel dich-teren Schleier wie zuvor. Zwar haben die neueren Unter-suchungen von Bischofs*) und namentlich von Kvlliker**)ein neues Licht hierüber verbreitet, da sie die bei den Eiernbeobachtete Zellenvermehrung durch Theilung ganz auf dieendogene Bildung zurückführen, aber es ist noch eine andereArt der Zellenvermehrung durch Theilung im Pflanzenreichbeobachtet, wo die Mutterzelle durch eine Scheidewand, diesich rechtwinklig auf die Zellenwand stellt, in zwei neue Zel-

*) Entwickelungsgeschichte des Kaninchen-Eies, 1842.

**) Entwickelungsgeschichte der Ccphalopoden, >844.

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