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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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386 Bestandtheile des organischen Reichs

len zerfällt, welche später wieder auf die nämliche Weisehalbirt werden u. s. w. Diese höchst einfache und von derZellenbildung, wie wir sie bisher kennen gelernt haben, sehrabweichende Art der Fortpflanzung ist von dem Einfluß derKernkörperchen oder Kerne unabhängig.

Man sieht solche Scheidewände am Deutlichsten bei Phy-tolacca decandra in den Mark- und Parenchymzellen. Ueberdie Ursache ihrer Entstehung wissen wir Nichts; wir müssenuns vorläufig mit der bloßen Thatsache begnügen. Viag nundiese Art der Zellenvermehrung sehr verbreitet sein oder nurselten vorkommen, so verliert die von Schleiden undSchwann gegebene Erklärung der Zellenbildung ihre allge-meine Gültigkeit (siehe auch unten utriculus internus) *),obgleich sie sich darum doch immer wenigstens auf die erstenZellen solcher Pflanzen anwenden läßt.

Es giebt noch eine vierte Art der Zellenbildung undFortpflanzung, welche wir spontane nennen. Sie kommtbei der Generalio aequivoca in allen denjenigen Fällen vor,wo aus unorganisirten organischen Stoffen Individuen ent-stehen; bei vielen krankhaften Produktionen, Exsudaten, z. B.bei Wunden, welche durch plastische Lymphe heilen, bei Bein-brüchen, wo ein Exsudat die Quelle vieler neuen Zellenrei-hen wird, bei Pseudomembranen, bei manchen Sekreten, z. B.bei demjenigen, welches die spanische Fliege auf der Hauthervorbringt u. s. w. Die organische Flüssigkeit, Cytobla-stema, kann Zellenform annehmen; dabei werden in der an-fangs homogenen und beinahe flüssigen Masse kleine körnigeTheilchen, Kernkörperchen und Kerne sichtbar, welche auf die-selbe Weise Zellen produciren, wie es bei endogener undexogener Zellenbildung geschieht.

Jene Art der Zellenbildung ist sehr häufig und findetsich überall da, wo organische nicht organisirte Stoffe Zellen-

') Man vergleiche Harting in der Zeitschrift für Naturgeschichte, 1844 ,