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mit eigenthümlichen Formen.
Von Hartin g's Beobachtungen weichen die Angabenvon Link*) ab, welcher gefunden zu haben glaubt, daß alleNiederschlage zu Anfang kleine Kügelchen seien, welche sichzu größeren vereinigen und eine solche Beweglichkeit besitzen,wie Quecksilbertropfen; und daß diese Kügelchen erst späterplötzlich zu Krystallen werden. Sie bilden bald Plättchen(plaatjks), bald gelatinöse Massen.
Nach dieser Ansicht Link's sind die gefällten krystallini-schen Körper ursprünglich bei der Fällung noch nicht krystal-linisch, sondern bewegliche isolirte Tröpfchen, welche erst spä-ter fest werden. Auch ist nach ihm die Krystallisation einspäterer Akt, dem die Entstehung des festen Körpers voraus-geht, und es soll der Niederschlag vor der Krystallisationaus kleinen Kügelchen bestehen, welche man wahrnimmt, wennman ihn gleich nach dem Zusammentreffen der beiden Flüs-sigkeiten untersucht. Durch Vereinigung jener Kügelchen ent-steht nach Link plötzlich der Krystall mit seiner eigenthümli-chen Form.
Harting hat hiergegen **) sein Bedenken geäußert undmeiner Ansicht nach bewiesen, daß Link nicht genau beob-achtete. Das beste Mikroskop giebt von sehr kleinen Gegen-ständen immer ein undeutliches Bild, so daß sich über diewahre Form nicht mehr mit Bestimmtheit entscheiden läßt,und was Link unter Kügelchen versteht, muß nach Har-ting einfach Moleküle genannt werden. Dies gilt schon vonTheilchen, welche y 2000 Millimeter im Durchmesser haben;zwar hat Link von Kügelchen mit 0,00003 Millimeter ge-sprochen; doch stellt Harting mit Recht die Richtigkeit sol-cher Angaben in Abrede, wenn es auch immer wahrscheinlichbleibt, daß die kleinsten Theilchen der festen Körper kugel-förmig sind,
*) Jahresbericht, >8-10, ©.5, und Poggendorff's Annalen, Bd. *16, @.258,
und T)e la formatiern des corps solides, Berlin 1841.
**) Zeitschrift für Naturgeschichte.