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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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536 Thierische Gewebe.

ist wahrscheinlich eine einzige Substanz, oder wenigstens für diesehr verschiedenen Gewebe aus einer Verbindung zweier oder meh-rerer, aber stets der nämlichen Stoffe zusammengesetzt. DieWiffenschaft kann gegenwärtig, und annähernd mit einiger Wahr-scheinlichkeit, bestimmen, welche jene Substanz sei, oder welchesihre Hauptbestandtheile sind. Wir haben nämlich (S. 313 u.327) gesehen, daß im Eidotter als Hauptbestandtheil nicht Eiweiß,noch Casein oder Faserstoff, sondern ein Körper enthalten ist,dessen Zusammensetzung durch die Formel: C 40 H ü2 N 10 0 12 + 0 2ausgedrückt werden kann und den wir Proteinbioryd genannt ha-ben. Mit dieser Substanz, aus welcher sich gleich während desBrütens die ersten Zellen formen, kommt ein fettes Oel gemengtvor; da sich indessen weder in den in Entwickelung begriffenenZellen, noch in den Geweben ein ähnliches fettes Oel vorfindet,so kann man es in Bezug auf die Zellenbildung im Ei völligunberücksichtigt lassen. Das Proteinbioryd ist also der Stoff,woraus bei der Bebrütung des Eies sich die Zellen entwickeln.Nehmen wir hinzu, daß in den thierischen Geweben nirgendsProteinoryd fehlt, daß bei Entzündungen beide Proteinoryde inbeträchtlicher Menge ausschwitzen und ein starkes Cytoblastemabilden, woraus schnell Pseudomembranen erzeugt werden, so kanndies nur die Gründe für die Annahme verstärken, daß, wennes im thierischen Körper eine allgemeine ursprüngliche Zellen-substanz giebt, diese Proteinbioryd ist, eine Substanz, welcheunter dem Einflüsse von Sauerstoff aus dem Protein entsteht,und die in keinem animalischen Gewebe fehlen darf.

Jenes Proteinbioryd kann, wie der Eidotter und die Entzün-dungshaut lehren, zwei Formen annehmen, eine feste und eine flüs-sige*). Es kann also im flüssigen Zustande für sich ganz allein dasCytoblastema ausmachen, und aus dem anfangs flüssigen Zustande

*) Es ist im entzündeten Btute aufgelöst, oder wenigstens in einem der Auf-lösung ähnlichen Zustande enthalten und bildet auf der Oberfläche desabgelassenen Blutes eine Flüsstgkeitsschicht, welche nach und nach fest wirdund von nun an im Blutserum und im Wasser unlöslich ist.