Thierische Gewebe. 535
Dieser Keimstoff bei den Thieren ist bald eine vollkommen helle,durchsichtige Flüssigkeit, bald mit kleinen Körnchen gemengt,welche vor der Zellenbildung aufgelöst, oder während derselbenvon der Zellcnwand ausgenommen werden und dieselbe verdicken.Jener Keimstoff wird zur Bildung der Zellen oder anderer ur-sprünglicher Theile im Verlaufe ihrer Entwickelung ganz odernur zum Theil verbraucht und nimint im letzter» Falle ver-schiedene Formen an, indem er bald eine körnige, zwischen denZellen zurückbleibende feste Masse, bald eine scheinbar homogeneMaterie bildet, welche die Zellen von einander gesondert hältund gleichzeitig Bindemittel derselben ist.
Wir haben bei Betrachtung der Pflanzenzellen (S. 419)gesehen, daß die ersten Zellenmembranen von den später aufihnen abgelagerten Schichten in ihrer Form und Beschaffenheitbedeutend abweichen, so daß eine alte Zelle zum größten Theileaus ganz andern Stoffen besteht, als sie im jugendlichen Zu-stande enthielt. Die nämlichen Erscheinungen beobachten wir inder Thierwelt. Eine Zellcnwand kann auch hier inkrustirt wer-den; aber, was bei den Pflanzen nicht geschieht, sie kann auchwieder aufgelöst und durch andere Substanzen ersetzt werden, odersie kann einen so ganz verschiedenen chemischen Charakter anneh-men, daß man auf eine wesentliche Veränderung der ursprüngli-chen Membran schließen muß.
Die Ursache dieser Verschiedenheit ist die im thierischenKörper stattfindende Circulation einer Flüssigkeit. Der Stoff-wechsel bei den Pflanzen findet dadurch statt, daß der Nah-rungssaft immer in einer Richtung herbeigeführt wird; imthierischen Organismus dagegen strömt, so lange ein IndividuumLeben hat, die die nährenden Säfte enthaltende Flüssigkeit incvntinuirlichem Kreisläufe durch alle seine Theile und machtdadurch eine bei weitem vielseitigere Veränderung in den pri-mären Gebilden möglich, als es bei den Pflanzen der Fall seinkann.
Die ursprüngliche Zellenmembran der thierischen Gewebe
34*