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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe.

Verschiedenartige Kerne können so aus der nämlichen Flüs-sigkeit (Ernährungsflüssigkeit, Cytoblastema) verschiedene Pro-dukte erzeugen. Es ist daher, weil die Products, welche ausderselben Ernährungsflüssigkeit durch Aneinanderreihung derTheilchen durch Kerne gebildet werden, so mannigfaltig sind,nicht wahrscheinlich, daß alle Kerne aus ein und derselbenSubstanz bestehen *).

Alles, was von den Kernen als Erzeugern der Faserngesagt ist, kommt also darauf hinaus, daß zuerst eine Gruppefester Moleküle abgeschieden wird, und daß diese Gruppe dieAbsonderung fester Theile aus der umgebenden Flüssigkeit be-stimmt. Diese Wirkung geht den Beobachtungen zu Folgevon zwei einander gegenüberliegenden Seiten der festenGruppe aus.

Die Entstehung organischer Fasern hat, aus obigemGesichtspunkte betrachtet, eine gewisse, wenn auch nur un-vollkommene, Aehnlichkeit mit der Abscheidung krystallinischerStoffe durch Moleküle fester Körper, welche man in eineconcentrirte Salzlösung bringt.

Was ferner die Entwickelung der elementaren thierischenFormen im Allgemeinen betrifft, so ist dieser Punkt für dieErforschung einer der schwierigsten, die es giebt. Wir haben(S. 369) schon im Allgemeinen über die Bildung der Zellen .aus Kernen, oder auf andere Weise, gesprochen. Dieser Ge-genstand bedarf daher für unsern Zweck keiner wettern Erör-terung. Die Entstehung der Fasern, so mannigfaltig in demthierischen Organismus, läßt sich vielleicht unter dem so ebengegebenen Gesichtspunkte auffassen. Die Entwickelung vonKanälen und Röhren in dem Thierkörper geschieht ohne Zwei-

*) 3n wiefern lbcwcbc, welche ursprünglich keine regelmäßig geformte Zel-len bekommen, ohne Kerne unvollkommen entwickelte Zellen enthalte» kön-nen, welche in Fasern übergehen, muß durch neue Untersuchungen ausge-macht werden.