Thierische Gewebe. 553
und von unten her sich stets erneuert. Diese Reproduktion ge-schieht auf die nämliche Weise, wie sich die Zellen im All-gemeinen vermehren (S. 370), nämlich von unten her, dawo die zellenbildende zähe Flüssigkeit (Fig. 86 <I) von derHaut abgesondert wird; die unteren Zellen sind darum wei-cher und deshalb von Malpighi für eine besondere Hüllegehalten (Fig. 86 t> o). Bei der ununterbrochenen Abnu-tzung der oberen Zellen und der in demselben Maaße statt-findenden Reproductivn derselben von unten her werden dieuntersten Zellen endlich die oberen, und dieser Wechsel schrei-tet bei der Oberhaut gerade so fort, wie wir es bei dem schich-tenförmigen Epithelium der Schleimhäute beobachtet haben.Es findet also eine beständige Ausscheidung der Substanz,welche das Epithelium bildet, aus dem Körper Statt, einerSubstanz, welche, anfangs als Flüssigkeit abgesondert, sich zuZellen organisirt, später sich abnutzt und durch neue Sub-stanz ersetzt wird u. s. f. Nm einen scheinbar geringen Zweckzu erreichen, verwendet der Organismus eine bedeutende Mengevon Protein, welche für jede fernere Benutzung desselbenverloren geht.
In manchen Fällen wird eine große Menge jener Zellenauf ein Mal von der übrigen Masse abgestoßen und durchneue wieder ersetzt; so sieht man nach den Masern und demScharlachfieber ganze Lagen derselben sich ablösen. Auch aufheilenden Wunden bedeckt sich das neu gebildete Gewebe mitOberhaut.
Wir beobachten bei den sogenannten Horngeweben imZustande vollkommener Entwickelung stets eine zusammenge-drückte zellige Form und können sie daher histologisch in eineKlasse zusammenfassen. Von jenen Geweben unterscheiden sichdie nachfolgenden, deren wir wegen unserer unvollkommenenchemischen Kenntniß nur mit einigen Worten hier kurz Er-wähnung thun wollen.
Zuerst gehört dahin das Cylinderepithelium (Fig.