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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe. 555

wird. Ueber die chemische Natur des Flimmerepitheliumöist ebenfalls so gut wie gar nichts bekannt.

Die Nägel sind von der Epidermis nicht wesentlichverschieden, weder in Betreff ihres Ursprungs, noch in ihremBau, noch ihrer Natur und Zusammensetzung nach. Nursind sie härter und weniger elastisch. Sie werden wie dieOberhaut durch Gruppen von Zellenreihen gebildet, enthaltenderen aber eine größere Zahl. Ihre beständige Erneuerungist allbekannt. So wie bei der Oberhaut neues Cptoblastemavon unten herauf die Entstehung neuer Zellenreihen veran-laßt, auf dieselbe Weise reproduciren sich die Nägel an allenden Stellen, wo sie mit der untern Haut verwachsen sind,nämlich von der untern Seite her, an den hinteren und seit-lichen Rändern, die in einer Hautfalte liegen, und besondersan dem Hintern Rande, wo die eigentliche Matrix liegt.

Hier sondert sich die zellenbildende Substanz ab, worausgleich der Oberhaut die Nagelplatte entsteht, welche als einAgglomerat fest auf einander gepackter Zellen aus der Hauttritt. Auch sie muß man daher als organisirte Sekrete be-trachten, wodurch der Körper sich eines seiner unentbehrlich-sten Bestandtheile, des Proteins, entledigt, und wodurchdessen Menge im Körper vermindert wird *).

Ausgewachsener Nagel von, Finger zeigt, der Oberfläches pa-rallel, unregelmäßig laufende Streifen, auf dem Ouerdurchschnitte des här-testen vorderen Theil« gradlinige Streifen mit kleinen dunkeln Körperchcn(Höhlungen?) untermischt.

Ein von der Oberfläche abgeschabtes Stückchen, welches drei Stundenin concentrirtcr Essigsäure gelegen hat, zeigt durchsichtiger gewordeneHornplättchcn, deren einige mit einem Kerne versehen sind (Fig. 95 »).

Ein Nagel hat nach sechsstündiger Einwirkung von concentrirtcr Kali-lauge auf dem Ouerdurchschnitte ein körniges Ansehen und läßt nicht« wei-ter erkennen. Nach Zusatz von Wasser sieht man ein Netz von Maschenund in jeder derselben einen deutlichen Kern. Die durch die Umrisse derplattgedrückten Zellen gebildeten Maschen werden nach längerer Einwirkungdes Wassers rundlich und einige ganz rund (Fig. 95 1,); jede derselben be-sitzt einen deutlichen Kern I). Mit dem Wasser fließt eine körnigeSubstanz ab, während die Zellen deutlicher werden und sich mehr ausdeh-nen. Sie sitzen auch hier fest an einander. Nach Zusatz von Essigsäure