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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe.

Horn.

Die Hörner, welche nicht abfallen, wie die der Küheu. s. w., stimmen in vieler Hinsicht mit der Oberhaut und denNageln überein, sie unterscheiden sich aber von den Haarensowohl in ihrem Bau wie auch in ihrer chemischen Zusam-mensetzung. Sie bestehen aus einer unzähligen Menge Bün-del feiner Fäden, die gleich wie in der Hauptmasse des Haa-res dicht neben einander liegen. Bei Einwirkung von Kaliund Wasser entwickeln sich aus diesen Bündeln Plättchen,die sich allmälig zu regelmäßigen Zellen ausdehnen, derenjede mit einem deutlichen Kern versehen ist (Fig. 97 b);nach Zusatz von Schwefelsäure werden die Zellen noch sicht-barer, ei- oder kugelrund. Das Horngewebe ist also von demder Haare dadurch verschieden, daß letzteres, außer in dermeclulla, keine Zellen mehr erkennen läßt *). Das Horn

*) W cißes Kuhhor », durch einen in senkrechter Richtung auf die Ober-fläche geführten Längcnsclmitt abgelöst, zeigt unregelmäßig laufende dichtin einander vcrivcbtc Fasern. Auf Zusatz von Wasser werden die Faserngrößer, mehr gestreckt und deutlicher, und die ganze Masse viel durchsich-tiger. In einer größcrn Menge Wasser weichen die Fasern noch weiterauseinander und erscheinen mehr als Umrisse von Zellen, in deren jederein kleiner Kern deutlich zu unterscheiden ist (Fig. W).

Auf den, Oucrdurchschnitte erscheint das Horn nach fünfstündiger Ein-wirkung von Aeykali formlos mit den so eben erwähnten dicht neben ein-ander liegenden, gebogenen, scheinbaren Fasern; nur hie und da haben sie dasAnsehen, als bildeten sie die Umrisse von Zellen. Durch Zusatz von Was-ser entwickelt sich die ccliulärc Struktur mehr und mehr, jene Umrisseentfernen sich von einander, und es zeigt sich in jeder Zelle sehr deutlichein Kern: die Zellen sind sehr durchsichtig. Durch Neutralisation des Ka-lis mit verdünnter Schwefelsäure komnien die Zellen deutlicher zum Vor-schein und werden beinahe kugelrund oder eiförmig, ohne Zuhält. DieKerne sind unsichtbar geworden.

Das Gewebe von Kuhhorn erscheint demnach als ein durchaus homo-genes aus einzelnen Zellen bestehendes Gewebe und zwar aus Zellen ohnesichtbaren Inhalt, Zellen, die im Gewebe plattgedrückt sind und in Kaliaufschwellen. Auf der Oberfläche der Flüssigkeit sieht man eine körnigeSubstanz.

An einem parallel der Oberfläche abgeschnittenen Stücke, welches fünfStunden in Kalilauge gelegen hat, ist nichts deutlich zu unterscheiden. Zu-satz von Wasser bringt dieselben Erscheinungen hervor, wie an dem längs