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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe. 571

stanz, Namen, statt welcher ich lieber die BezeichnungenHaargewebe und Mark gebrauchen möchte. Letzteres fehltmannigmal, oder findet sich nur stellenweise im Haar. DasHaargewebe oder die eigentliche Haarsubstanz besteht aus pa-rallelen zum Theil auf einander liegenden Bündeln. Legt manein Haar in concentrirte Schwefelsäure, so läßt sich das Epi-thelium durch gelindes Reiben in Scheiben davon trennen(Fig. 111 ), und die Substanz, welche die Fasern vereinigte,lös't sich auf: die Fasern weichen in Bündeln von einander,und das Haar bekommt eine rauhe Oberfläche. Jene Bündelspalten sich durch Reibung in dünnere und kleinere Fasern oderLamellen, welche sich als kleine, zusammengedrückte und verlängerteZellen deutlich zu erkennen geben. Es gelingt indessen nicht, siedurch Anschwellung wieder in reine Zellen umzuformen.

Die Primitivfasern des Haares sind nach der Ansichtvon Van Laer, welche ich früher mit ihm theilte, eine Schwe-fel-Proteinverbindung, und zwar

C40 ^62 N10 0 12 S 2 .

Sie enthalten nämlich 5 % Schwefel.

Das hypothetische Bindemittel jener Fasern ist nicht zuisoliren; es wird von allen als Trennungsmittel angewandten 'Verbindungen zersetzt. Wahrscheinlich ist die medulläre Sub-stanz, welche in der Mitte des Haares liegt, in ihrer Zusam-mensetzung den Primitivfasern gleich. Denn sie besteht ja ausunveränderten Haarzellen, woraus durch bloße MetamorphoseHaarfasern gebildet werden *).

) Haare (schwarze Haupthaare), welche drei Stunden lang in Kali (in '/,Wasser gclös't) gelegen haben, sind dunkel, und es ist nichts zu unterschei-den. Nach Zusatz von Wasser werden sie durchsichtig, und man sieht anden Kanten sehr durchscheinende Ränder; an einzelnen Stellen gewahrtman blasenförmigc Anschwellungen, deren körniger Inhalt aussticßt undaufgelöst wird. Die Haarfasern sind hier und da mit verlängerten dunk-len Streifen untermischt. Die blasigen Anschwellungen sind nicht bei allenHaaren sichtbar; wo sie erscheinen, sind sie so scharf begrenzt, daß mansie für Zellen halten möchte, mit großen Körnern angefüllt. Der Randdes Haares ist nach Zusatz von mehr Wasser noch besser von dem darunterliegenden sehr geschwollenen Haargcwebe zu unterscheiden, und scheint aus