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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe.

len verlängern sich in zwei Richtungen und ändern sich dabei inFädenbündel um, woraus endlich der Zellenkern verschwindet(Schwann). Es ist indessen nach Henle nicht ausgemacht,

stehen und die mit undurchsichtigen Bündeln abwechseln. Essigsäure machtAlles so durchsichtig, daß man kaum mehr die parallelen Sehnenbündcl er-kennen kann (Fig. 121 1), welche jetzt viel breiter sind als vor der Ein-wirkung von Essigsäure. Außerdem bemerkt man eine Menge schlangen-förmig gebogener oder grader classischer Fasern, die in sehr regelmäßigenAbständen nebeneinander liegen (Fig. 121, 2 ).

Zn Folge der Einwirkung von Kali findet eine auf dem Qucrdurch-schnitte sichtbare Theilung der sekundären Bündel in kleinere Statt, derenjedes aus sechs bis acht primären Bündeln besteht. Letztere sind durch einformloses Bindemittel vereinigt, wovon eine dickere Schicht zwischen densekundären zusammengesetzten Bündeln vorkommt. Auch kommen hierbei dieKernfascrn deutlich zum Vorschein, welche nach längerer Einwirkung vonKali und Zusatz von Wasser allein übrig bleiben.

Bei der Erweiterung des Oucrdurchschnittes in Essigsäure biegen sich,in Folge der starken Ausdehnung der Fasern in der Breite, die an denEnden liegenden Theile um und bilden geschwollene Bündel, deren Breiteder Dicke der geschwollenen Scheibe entspricht, und auf deren Längsrichtungdie elastischen Fasern rechtwinklig stehen (Fig. 122). Ein feinerer Quer-schnitt giebt dünne Bündel (Fig. 123). Da nun diese Bündel nichts ande-res als parallele elastische Fasern enthalten, gleichwie auf dem Längsdurch-schnitte (Fig. 121, 2 ), und keine Oucrbündel, noch Fasern und Streifen be-sitzen, so folgt daraus, daß die primären Sehncnbündel, durch keine Hülsenumgeben, noch in Gruppen vertheilt sind, sondern daß sie bei ihrer Aus-dehnung in Essigsäure so ineinander dringen, daß sie gleichsam eine einzigeMasse ausmachen. Es scheint übrigens die Bereinigung der Fasern ineinem gewissen Sinne fester zu sein als in anderen Richtungen, da jeneBündel sich in Reihen lostrennen lassen.

Aus jener Beobachtung crgiebt sich, daß die größeren und kleinerenBündel der Sehnen nicht durch häutige Hüllen von einer besonderen Zu-sammensetzung umgeben sind, sondern daß sie wahrscheinlich von einer Schichtderselben leimgcbenden Substanz eingeschlossen sind, welche die Primitiv-fasern der Sehnen ausmacht, und daß also die sekundären Sehnenbündclaußer Fäden des elastischen Gewebes nur lcimgebendcs Gewebe enthalten.Zn dem zelligcn Gewebe, welches die sekundären Bündel verbindet, kommenübrigens noch Blutgefäße und Fettgewebe vor.

Die Sehnenfasern einer frischen Sehne sind oftmals regelmäßig ge-kräuselt (Fig. IM); sie kommen übrigens mit denen des losen Zellgewebesüberein.

Auflösungen von Sublimat und Gerbsäure sind besonders geeignet, umbei der Untersuchung der Fasern des Schnengcwcbcs dieselben deutlichhervortreten zu lassen; ebenso Alkohol.

Durch Essigsäure ausgedehnte Fasern des SehnengewcbeS nehmen nachder Neutralisation der Säure mit Ammoniak ohngcfähr die vorige Gestalt an.

Li ga men t um s a c r o - t ub er o s u m , ein Band, welches den jetzi-gen Beobachtungen nach aus wahrem Bindegewebe besteht.

Es ist nach funfzigstündiger Einwirkung von eoncentrirtcr Kalilaugezu einem formlosen Gewebe geworden. Die hier und da hervorstehenden dünnenFäserchcn gleichen einer Perlenschnur, welche durch Aneinanderreihung mregelmäßigen Entfernungen liegender Kügclchcn gebildet ist (Fig. 123). Kali