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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe. 593

Die Menge der Fasern des elastischen Gewebes, welchemit verschiedenen anderen Elementarformen vorkommen, ist sehrverschieden. In dem Bindegewebe z. B., wo sie niemals, selbstnicht in demjenigen fehlen, welches die Primitivbündel der Ner-ven vereinigt, häufen sie sich bisweilen in dem Grade an, daß sieungefähr die Hälfte der ganzen Masse ausmachen, z. B. in derfascia lata der Oberschenkel, welche wir mit ebenso viel Recht

scheint dem unbcwaffneten Auge gallertartig und ist, einige dicke weißeBündel ausgenommen, stark durchscheinend. Unter dem Mikroskop stehtman in der gallertartigen Substanz nur einzelne Kügelchen. In denweißen Bündeln stndct man übrigens viele elastische Fasern, die alle scharfbegrenzt stnd (Fig. 130), und außerdem noch große runde Klumpen,welche auü einer körnigen Substanz bestehen. Letztere wird nicht vonWasser aufgelöst.

Ejnc gesättigte Kalilauge, welche mit reichlich vier Theilen Wasserverdünnt ist, läßt nach sechsmonatlicher Einwirkung auf ein Nackenbandeinen Theil desselben ungclös't. Derselbe erscheint unter dem Mikroskopals kleine feine Fasern von elastischem Gewebe.

Concentrirte Schwefelsäure hat cS nach sechs Monaten mit braunerFarbe aufgelöst.

In conccntrirtcr Salpetersäure bleibt cS zum Theil ungclös't.

In Esstgsäurc unverändert.

In Salzsäure ist es mit brauner Farbe löslich.

Gelbes Band eines einundzwanzig,ährigen männlichenIndividuums. Parallel der Oberfläche zeigt stch ein Netz dicht ver-webter, sich verzweigender, platter Fasern des elastischen Gewebes, mitein wenig Zellgewebe untermengt. Die Fibern des elastischen Gewebesbleiben in Esstgsäurc unverändert und bilden ein Netz zusammenhängenderFäden, die eine helle Substanz einschließen (Fig. 131 a).

Die Fasern, von oben nach unten quer durchschnitten, weichen voneinander, und es kommt eine durchscheinende, angeschwollene, zwischen denFasern liegende Substanz zum Vorschein, welche durch Esstgsäurc ange-schwollenes Bindegewebe ist. ES besitzt keine eigenthümliche Gestalt, son-dern fallt formlos die Zwischcnraumc der Fasern deS elastischen GcwebcS auS.Auf Zusatz von Kali ziehen stch die Fasern des elastischen Gewebes wiederzusammen, das Bindemittel verhält stch demnach wie Bindegewebe.

Nach achtundvicrzigstündigcr Einwirkung von conccntrirtcr Kalilaugeist keine Veränderung wahrzunehmen. Auf Zusatz von Wasser weichen dieelastischen Fasern auS einander, in Folge der Ausdehnung deS eingeschlos-senen Bindegewebes, und einzelne derselben lösen stch selbst ganz ab.

Die übrig gebliebenen elastischen Fasern haben trotz der Einwirkungdes Kalis ihre Elasticität beibehalten. Sie werden nach Neutralisationdes Kalis mit Esstgsäurc durch Zusatz von Jodtinktur sehr stark gefärbt.

Der Oucrdurchschnitt (Fig. 131 b) mit Esstgsäurc behandelt. Dieelastischen Fasern, deren Durchschnitte mehr oder weniger oval oder eckigstnd, weichen bedeutend aus einander und nähern sich wieder durch Zusatzvon Ammoniak (DonderS und M.)