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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Thierische Gewebe.

als aus elastischem Gewebe zusammengesetzt betrachten können,als wir es dem Bindegewebe zurechnen.

Wir kennen einige Gewebe, welche fast ausschließlich auselastischem Gewebe bestehen, die aber demungeachtet unter sichgewisse Verschiedenheiten darbieten. Diese Abweichungen werdendurch geringe Beimengungen anderer elementarer Formen, na-mentlich von Bindegewebsfasern, hervorgebracht, welche beimKochen Leim geben. Wo das elastische Gewebe vorkommt, istsein chemischer Charakter stets derselbe, in den gelben Bändernsowohl, wie in dem Nackenbande und anderen Organen; unddie Beobachtungen von Eulenberg über die Eigenschaft desNackenbandes, Leim zu geben, und Valentin's Angaben überdie Löslichkeit des elastischen Gewebes der inneren Lage desBrustfells beruhen offenbar auf einer Verwechselung desselbenmit Fasern des Bindegewebes. Das elastische Gewebe verdientnoch um so mehr unsere Aufmerksamkeit, als wir finden, daßdaraus die Kernfasern von Henle bestehen, und daß die Kerne,welche in so vielen Elementarformen beobachtet sind, dem elasti-schen Gewebe zugerechnet werden müssen. Denn sie verhaltensich in vielen Beziehungen diesem Gewebe gleich. (Siehe S. 539.)

Die allgemeinen Eigenschaften des elastischen Gewebes sindfolgende: es giebt, mit Wasser gekocht, keinen Leim; nach vierzig-stündigem Kochen sind die Fasern unverändert. Es widerstehtder Einwirkung heißer concentrirter Essigsäure hartnäckig undlös't sich erst nach tagelangem Kochen langsam darin auf. Beigewöhnlicher Temperatur erhält es sich in concentrirter Essig-säure unverändert. In mit ein wenig Wasser verdünnter Salz-säure lös't es sich durch gelindes Erwärmen auf. Die Lösung,mit Ammoniak neutralisirt, giebt eine organische Verbindung,welche in Alkohol und Wasser auflöslich ist. Salpetersäure zer-setzt elastisches Gewebe und erzeugt Xanthoproteinsäure. Einemäßig starke Kalilauge löst es aber erst nach vielen Tagen voll-ständig auf und erzeugt damit eine durchsichtige gallertartigeMasse. Die Schwerlöslichkeit des elastischen Gewebes in con-