Buch 
Sciagraphia artis tignariae, oder nutzliche Eröffnung zu der sichern fundamentalen Holz-Verbindung, bey dem Gebrauch der unentbehrlichen Zimmermanns-Kunst / von Johann Jacob Schübler
Entstehung
Seite
88
JPEG-Download
 

88

( 0)

fil als auch die Art und Weise der Übereinanderlegung dieser Wechselweiß gekehrten PlattenZiegel mit ihren erhabenen Seiten Ränden oder Konten abgebildet, damit ihr seher, wennman z. E. dreyerley Sorten solcher Ziegel, wie bey Fig. 269. angedeutet, neben einander, undwie bey DEIM. und K. bemerckt, in einander geschoben ordnet, daß man alsdenn andere umsgefehrte Ziegel AB C. Fig. 266. fonne darüber decken, und damit alle Eindringung der Nässegenugsam verwehren. Unten in Fig. 269. findet ihr bey G. und F. zwey kleine schwarze übersfchattirte Fleckgen, welche so viel als kleine Wargen abbilden, die zu machen waren/ wenn mandas ganze völlige Dach beschloffen halten wollte. Wenn dahero diese Ziegel von mittelmässisger Dicke und guter Erde dauerhaft gebrand, und entweder mit Porcellan oder Gold Glasfuräusserlich überzogen würden, wie ich dermablen mir einige verfertigen laffe, so wird man befinden, unter was für gutem Effect bey einem Luft und frenstehenden Hauß ein solches Dach zu Gesfichte kommen wird, und da diese Weise die Ziegel übereinaber zu legen, alle eindringende Näsase verhindert, so werden die Liebhabere dadurch erkennen, daß sie auch als blosse Schindel Ziesgel von Holz ihren hinlänglichen Effect beståttigen werden, massen man solche zubereitete hölzerne Ziegel sehr geschmeidig verfertigen, und alsdenn völlig in warmen Del sieden, nach derCompofition oder Bedeckung des Daches aber bey allerhand Lust Häusern und dergleichen mitDel überstreichen und bemahlen könnte. Ich habe auch eine kleine Probe von dieser Art Ziesgel von dünn geschlagenen Kupffer unternommen und gut befunden, daß man auf solche Weisse das Aneinander. Löten überhaben, und in Feuers Gefahr dergleichen küpfferne Ziegel, weilfie nur auf den Dach Latten, wie die gemeine liegen, behend abwerffen, ja nicht als wie die aneinander geldteten Kupffer- Platten von dem Feuer verbrennen lassen darff. Verständige undNachdenckende werden von selbsten finden, daß aus dieser Weise sich noch viele andere folgern lassen, und daß nicht minder ein solches Dach weit schöner als ein gemeines fich præfentiren muß, anerwogen man nicht nur die gegenwärtig gezeigten Arten der groß und klein übereinander gelegaten Ziegel behalten, sondern durch selbige mancherlen Combinirungen anstellen kan. Zu einemTab. 22. Muster dieser besagten Würcklichkeit möget ihr Tab. 22. Fig. 270. die bey ABCDEFGHIFig. 270. unb MNOPQRS. und dergleichen angedeutete Quadrat- Biegel überdencken, ja zu noch mehrerer Variation, sonderlich wo man nicht von Holz oder Kupffer zu Wercke gehen, sondern mitallerhand gefärbten Porcellan Tafeln, nach dera Japanefifchen Gufto das Dach verzieren wollte,Fig. 271. die hier angedeutete Fig. 271. so lang zu einem Benspiel nehmen, biß ich euch ben meinen ins bessondere ausgesonnenen Luft. Häusern werde noch viele andere Muster und zierliche Dächer Verkleidungen zum Vorschein bringen.

§. 170.

Und da man in der Bürgerlichen Bau Kunst sich biß anhero der flachen Ziegel sehr besquem bedienet, und damit einfache und doppelt gedeckte Dächer entrichtet hat, durchgehendsaber damit bishero mehr nicht als die bekannte Figur der Fisch Schuppen förmigen Gestalt ershalten; also habe ich auch dißfalls nicht ermangeln wollen, die Werckleute mit meinen wenigenGedancken auf andere Begriffe zu bringen, welche nicht der Meynung sind, als ob unter denenflachen gemeinen Ziegeln keine andere Figur wesentlich zu erhaschen seye. Ich gebe euch daheroTab. 28.in Tab. 23. gleich mit einem Blick achterley neue Figuren zu betrachten, und weil mir nicht unsbekannt, daß man dffters bey Abbrechung alter Gebäude viele gute alte Dach Biegel bey Hansben hat, welche aber theils durch das Abnehmen vornen bey denen Spizen sind beschädiget,und zugleich von der Witterung und Nässe angeschwärzet worden, wegen ihrer Festigkeit aberFig. 272, schad ſind, weg zu thun: Also habe ich nach Anzeig Fig 272. ein Mittel ausgedacht, wie manalle diejenigen alten Ziegel nur bey denen Spigen dörffe etwas gerad abstumpffen, und auf eisnem rauhen Stein durch die Taglöhner gerad reiben lassen, so werden selbige alsdenn eine Fisgur bekommen, als wie ihr sie bey dem Ziegel I. und K. unten bey dem Ecke M. und N. ausgebrucket, und abgeftumpffet findet. Weilen man aber gemeiniglich zu einem neuen Dach nichtmehr genug hat, so kan man andere neue Ziegel von gleichen Form dazu nehmen, und alsdenndie alten also an die Dach Latten hängen, wie euch selbige Fig. 272. durch den Ziegel F, B, A,C, D, E, G, und H. vorgestellt, und damit gezeiget habe, wenn die neuen Ziegel, wie diese hierweiß gelaffene, so Rautenförmig dazwischen gemenget worden, man in Bedeckung des gangenDaches, durch jeden sichtbahren Theil des herabhangenden Dach, Ziegels eine regulaire sechssecfigte gleichfeitige Figur erhält, und zugleich die sämtliche Figurirung des ganzen Daches dieFünstliche Figurirung des Wundernswürdigen Bienen Baues, der aus lauter sechseckigten Cel-lulis bestehet, vorstellig machet, mithin weisen diese verfekte alte und neue Ziegel nicht nur gesdachte Componirung vieler Sechsecke, sondern es determiniren sich durch die dazwischen genomsmene neue Ziegel selbsten stets sechseckigte Rauten oder Rosen, und mit einem Wort, ihr fönsnet damit allerband Idéen exprimiren, welche sich durch eine regulaire Versehung der Ziegel vorstellig machen lassen.

6. 771.