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Neunter Band.
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Verwandtschaft, chemische. 227

V erwaildtschaft, chemische, chemische Affinität, auch

chemische Anziehung, Wahl Verwandtschaft, A.ffinitas J ), nenntman die Kraft, vermöge welcher ungleichartige Körper zu einem gleich-artigen Ganzen verbunden und in dieser Verbindung zusammengehaltenWerden. Man nimmt hier eine besondere Kraft als wirkend an, weil fürdie Bildung und das Bestehen chemischer Verbindungen gewisse Kräfteoder Eigenschaften der Bestandtheile überwunden werden müssen, ohnedass man das, was diese Wirkung hervorbringt, mit einiger Sicherheit miteiner anderen besser bekannten Kraft identificiren könnte. Bei derBildungchemischer Verbindungen, in welche feste Körper eingehen, muss die Co-häsion derselben, bei dem Eingehen gasförmiger Körper in feste oder tropf-bar flüssige Verbindungen muss die Elasticität der Gase, bei derBildungvon Verbindungen aus festen oder flüssigen Körpern von ungleichemspecifischen Gewicht muss der in dem letzteren Umstand liegende Wi-derstand gegen die Bildung eines gleichartigen Ganzen überwundenwerden; die ungleichen Eigenschaften, die Ungleichheit in den Löslich-keiten z. B. welche verschiedenen Körpern im freien Zustand zukorn-men, erscheinen abgeändert in dem gleichartigen Ganzen, welches siedurch chemische Verbindung unter sich bilden können. Wie die Un-gleichheit solcher Eigenschaften als Hinderniss gegen die Bildungchemischer Verbindungen wirksam sein und dafür, dass diese Verbin-dungen sich wirklich bilden, durch etwas überwunden sein muss, somuss sie es auch noch in den Verbindungen selbst nach der Bildungder letzteren sein, so lange dieselben bestehen. Wenn man auch nurwenig Sicheres über die Natur der Kraft weiss, welche chemische Ver-bindungen als gleichartige Ganze aus ungleichartigen Einzelsubstanzensich bilden lässt, so kann man doch das als sicher annehmen, dass die-selbe Kraft es ist, welche Verbindungen in ihrem Bestehen erhält undeiner Zersetzung derselben einen mehr oder weniger grossen Widerstandleistet. — Wo man eine Mitwirkung der chemischen Verwandtschafts-kraft annimmt, da muss der zu erklärende Vorgang etwas in sichschlie3sen, was durch keine andere Kraft oder durch die Eigenschaften,welche die in Betracht kommenden Körper auch im freien Zustandezeigen, erklärbar ist. Bei der Mischung von zwei oder mehr Gasen,Wenn diese sich nicht nach festen Verhältnissen verbinden, erfolgtnichts, was die Annahme einer Mitwirkung der Verwandtschaftskraftnöthig machte; jedes Gas erfüllt den ihm dargebotenen Raum gleich-massig und in einer solchen Gasmischung sind die Eigenschaften einesjeden Gases — die Spannkraft z. B., die Dichtigkeit, die Löslichkeit u. a. —noch gerade so, wie wenn die von ihm vorhandene Menge allein denRaum erfüllte; für die Erklärung der Bildung, der Eigenschaften unddes Bestehens einer solchen Gasmischung braucht man keine besondereKraft anzunehmen. Anders bei der Bildung der Verbindungen von

Bezüglich der Literatur verweisen wir auf die umfassenden Zusammenstellun-gen, welche L. Ginelin 1840 im Artikel „Verwandtschaft“ in der neuen Bearbeitungv on Gehler’s physikalischem Wörterbuch Bd. IX, 3. Abth., S. 1857, und in seinemHandbuch der Chemie 4. Aufl. Bd. I, S. 31 gegeben hat. Von den seitdem erschie-nenen hierher gehörigen Abhandlungen werden die wichtigeren in dem Folgendencitirt; hier schon mögen angeführt werden Mitscherlich’s Untersuchungen Uberdie chemische Verwandtschaft in den Monatsberichten der Berliner Akademie Februarn. December 1841; Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. XL, S. 207 u. Bd. XLIV, S. 286.bezüglich des Historischen vgl, Kopp’s Geschichte d. Chemie Bd. II, S. 265 bis 353.

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