230 Verwandtschaft, chemische.
zu ihr Verwandtschaft äussern kann, lässt sich durch Verdichtungdes Gases, durch Zertheilung des festen Körpers erreichen. Diese Ver-mehrung der Berührungspunkte und der in einem Zeitpunkt zur Ein-wirkung kommenden Menge verschiedener Substanzen kann als einerder Umstände wirken, welche man als Umstände, welche dieAeusserung der chemischen Verwandtschaft begünstigen!bezeichnet. So nennt man nämlich Umstände, unter welchen die Ver-bindung zweier Körper erfolgen kann, die sich unter anderen Umständennicht vereinigen. Es gehört dahin namentlich Herstellung einer ange-messenen Temperatur; auch wenn ein Körper tropfbar-flüssig (ge-schmolzener oder gelöster Schwefel auf Kohle) auf einen festen Körpereinwirkt oder selbst zwei gasförmige Körper in der innigsten Mischungdurch feinste Zertheilung mit einander in Berührung sind (Sauerstoffmit Wasserstoff und vielen anderen brennbaren Gasen), wird oft erstdurch Steigerung der Temperatur das Vorsichgehen der Verbindungbewirkt. In gewissen Fällen wirkt das Licht die Bildung chemischerVerbindungen befördernd, in anderen die Elektricität. Die Elektricitätkann (als elektrischer Funken) namentlich durch Wärmeerzeugung wir-ken, aber auch die Fähigkeit eines Körpers, sich mit einer anderenSubstanz zu verbinden, abändern, schwächen oder verstärken, je nachdem elektrischen Zustand, in welchem er durch Berührung mit einemanderen Körper oder dadurch ist, dass durch ihn die eine oder die an-dere Elektricität zu einer jene Substanz enthaltenden Flüssigkeit über-geht.
Wo ein wägbarer Körper durch seine Berührung mit zwei anderendie Verbindung der letzteren einleitet, ohne sich selbst chemisch zuverändern und ohne in einer auf andere bestimmter erkannte Umständezurückfiihrbaren Weise zu wirken, spricht man von Begünstigung derAeusserung chemischer Verwandtschaft durch Contactwirkung (vergl.bei Katalyse Bd. IV, S. 313), oder wenn jenem Körper grosse Ober-fläche im Verhältniss zu seiner Masse zukommt, auch von Flächen-wirkung. — Wann Contactwirkung statthabe, ist im Allgemeinen un-gewiss und bestritten; mit Bestimmtheit erkennt man hingegen, dass oftVerbindung zweier Körper durch Mitwirkung eines dritten unterchemischer Veränderung des letzteren eingeleitet wird, wobei manunter chemischer Veränderung des dritten Körpers Bildung von Ver-bindungen desselben nach bestimmten Verhältnissen oder .Zersetzungsolcher Verbindungen versteht und nicht etwa die Wirkung desselbenals Lösungsmittel (die Wirkung einer Flüssigkeit z. B., welche die Ver-bindung eines festen Körpers mit einer andern Substanz nur durchAufheben der Coliäsion desselben und Vervielfältigung und Erneuerungder Berührungspunkte vermittelt, ohne aber selbst in Verbindungennach festen Verhältnissen einzugehen). Einzelne Körper zeigen einviel grösseres Bestreben sich mit anderen zu vereinigen, wenn sie vorheran dritte Körper gebunden waren; Sauerstoff wirkt mit Stickstoff zoSalpetersäure mit Chrom zu Chromsäure verbunden kräftiger oxydirendials im freien Zustand, so wie er gewöhnlich erhalten wird. Der dritteKörper kann die Verbindung zwischen zwei anderen in der Art begün-stigen, dass er den einen vorher in Verbindung mit sich aufgenommenenunter gewissen Umständen wieder in Gegenwart des anderen frei werdenlässt, weil viele Körper bei dem Freiwerden, im sogenannten EntstehungS"zustand oder Status nascendi (vergl. bei Status nascens Bd. VlU’