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Neunter Band.
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232 Verwandtschaft, chemische.

der zu verbindenden Körper in die active Modification ist, auf waSdie Einleitung der Verbindung beruht, und dass auch das grössereVereinigungsvermögen, welches in Beziehung auf gewisse Substanzeneinem in Verbindung enthaltenen Körper im Vergleich zu dem vonihm im gewöhnlichen freien Zustand geäusserten zukommt (dem Sauer'Stoff z. B. in der Salpetersäure oder Chromsäure), darauf beruht, dasäer gerade in diesen Verbindungen mindestens theilweise in der acti'ven Modification enthalten ist.

Der Bildung von Verbindungen, als Vereinigung ungleichartigerKörper zu einem gleichartigen Ganzen in Folge der den Körpern ein*wohnenden Verwandtschaftskraft, steht die Zersetzung von Verbin'düngen gegenüber d. i. das Ueberwinden der Verwandtschaftskrafbwelche in Verbindung getretene Körper zusammenhält, so dass diesewieder als ungleichartige neben einander auftreten (vergl. bei VefWandlungen, chemische).

Die Aufhebung der zwei Körper zusammenhaltenden Verwandt-schaft kann im Allgemeinen durch ähnliche Umstände bewirkt werdemwie die sind, welche die Aeusserung der Verwandtschaft in der Bildungvon Verbindungen begünstigen 1 ). Zersetzung von Verbindungen kannbewirkt werden durch unwägbare Agentien: in manchen Fällen durchEinwirkung des Lichtes, in sehr vielen durch die der Elektricität unddie der Wärme. Sehr viele Verbindungen zerfallen, wenn gewissenTemperaturen ausgesetzt, rasch in ungleichartige Körper. Aber manch«Verbindungen können auch bei einer gewissen Temperatur eine lang'same Zersetzung zeigen (Wasserstoffsuperoxyd z. B. bei gewöhnliche!'Temperatur zu Wasser und Sauerstoff), und in den seltneren Fällen,wo Zersetzung von Wärmeentwickelung begleitet ist, kann sich di«langsamere Zersetzung in Folge der dabei frei werdenden Wärme zürascherer steigern; es gehören dahin wohl einzelne Fälle der sogenann'ten freiwilligen Zersetzungen oder Selbstzersetzungen, Zer-setzungen, welche gewisse Verbindungen mit der Zeit langsamer oderrascher erleiden, ohne dass die Ursache der Zersetzung sich mit einigerBestimmtheit auf ein von Aussen auf die Verbindung einwirkendes un'wägbares oder wägbares Agens zurückführen Hesse 2 ).

Zersetzungen von Verbindungen können auch bewirkt werden

r) Es ist öfter behauptet, aber nicht unzweifelhaft dargethan worden, dass dieSchwerkraft Zersetzungen bewirke, in gleichartigen Flüssigkeiten eine Ansammlungdes specifisch schwereren Bestandtheils nach unten, des specifisch leichteren nachoben hervorbringen könne. Yergl. L. Gmelin’s Handb. d. Chem. 4. Autl. Bd. I,S. 107; Debus’ Angaben, dass bei ruhigem Stehen einer Baryt- und Kalkhydra*enthaltenden wässerigen Lösung die unteren Schichten reicher an Baryt im Verhält'niss zum Kalk, die oberen ärmer werden in den Annal. d. Chem. u. Pharm. B (i -I.XXXV, S. 130; Bischof s Angaben, dass in einer ruhig stehenden Säule einethomogenen Chlornatriumlösung im Verlauf langer Zeit eine Sonderung eintrete, s°dass die unteren Schichten grösseren Salzgehalt haben als die oberen in Liebig «■Kopp’s Jahresber. f. 1853, S. 886; eine Angabe, dass wässeriger Weingeist in der Kuh«in den oberen Schichten reicher an Alkohol werde im Jahresber. f. 1855, S. 268 ;Lieben’s Versuche, nach welchen in einer hohen Säule von wässeriger schwetlig eI *Säure und von einer Lösung von Chlornatrium nach viermonatlichem ruhigen Stehendie oberen und die unteren Schichten der Flüssigkeiten ganz gleichen Gehalt angelöster Substanz ergaben in den Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. CI, S. 77.

2 ) Ueber solche Zersetzungen und den Antheil der Zeit an denselben vergl-Debus, Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. LXXXII, S. 284.