Band 
Neunter Band.
Seite
242
JPEG-Download
 

242 Verwandtschaft, chemische.

allgemeine Anziehungskraft zurückzuführen, da bei ihnen vor all 00Dingen die Qualitäten der zur Einwirkung kommenden Substanzen d’ 0sich äussernden Anziehungen bedingen und nur in verhältnissmässigwenigen Fällen der Erfolg der Anziehungen auf den Quantitäten dieserSubstanzen zu beruhen scheint. Man spricht jetzt von der Verwandt'Schaftskraft als einer durch ihre Wirkungsweise ihrer Existenz nachund als eigenthümlich nachgewiesenen Kraft, ohne dass über die Naturderselben Genaueres bekannt wäre. Man betrachtet diese Kraft alsthätig zwischen den kleinsten Theilchen der Körper, welche die neuer 0Chemie als Atome bezeichnet; als Atome verschiedener unzerlegbarerKörper zu einfacher zusammengesetzten, die so entstehenden einfacherzusammengesetzten Atome wiederum unter sich zu complicirter zusai°'mengesetzten Atomen von Verbindungen vereinigend. Die Chemiker,welche nur Eine Art kleinster Theilchen der Körper anerkennen undunter Atomen sowohl die kleinsten Mengen der Körper verstehen,welche noch in Verbindungen eingehen können und darin selbsth 0 'dige Raumerfüllung haben, als auch diejenigen kleinsten Mengen d 0fKörper, welche noch selbständig im freien Zustand existiren können,betrachten die chemische Verwandtschaft als die Anziehung ungleich'artiger Atome, und benennen die Anziehung gleichartiger Atome alsCohäsion. Die Chemiker hingegen, welche die sogenannten chemisch 00Atome — die kleinsten Mengen der Körper welche in Verbindung 00eingehen — von den sogenannten physikalischen Atomen, Atomen i°*freien Zustand oder Moleculen — den kleinsten Mengen der Körp 00 ’die im freien Zustande existiren können — unterscheiden, betrachte 0die chemische Verwandtschaft nicht bloss als ungleichartige Atomeeinem Atom oder Molecul, sondern auch gleichartige Atome zu ein 010Molecul vereinigend und als Wirkung der Cohäsion, dass gleichartig 0Molecule zu grösseren Massen sich vereinigen. — Einige Chemiker b®'schränken die Annahme einer Verwandtschaftskräft auf wägbareterie, und betrachten sie nur als die Anziehungen zwischen wägbare 0Körpern, so dass ungleichartige Körper sich zu gleichartigen Ganz 00vereinigen, bewirkend; andere Chemiker betrachten dieselbe Kraftauch auf Imponderabilien sich erstreckend, sprechen von einer V 0f 'wandtschaft wägbarer Körper zu der positiven oder der negativen Elek'tricität, der Wärme u. s. w., von einer Verwandtschaft von Impond 0 "rabilien unter sich, den beiden entgegengesetzten Elektricitäten z.welche Annahmen selbstverständlich schon ihrer Möglichkeit nach 10dem Maasse Beschränkung erleiden, als Phänomene, zu deren Erklärungfrüher die Existenz eines solchen imponderabelen Stoffes des Wärm®'Stoffes z. B. angenommen wurde, lediglich als die Resultat^ von Mol 0 'cularbewegung erkannt werden.

Man hat es wiederholt in Frage gestellt, ob alle Arten gleicharti'ger Verbindungen aus ungleichartigen Körpern durch eine und dieselb 0Kraft gebildet werden. Wiederholt hat man die Verbindungen na 0 hfesten Verhältnissen als durch eine andere Kraft gebildet und zusai°'mengehalten betrachtet, als die nach veränderlichen Verhältnis®® 0(vergl. V erbindung S. 162). Berzelius betrachtete die ersterendurch elektrische Anziehungen (vergl. S. 241), die letzteren als dur 0 °eine eigentümliche, nicht auf den elektrischen Eigenschaften der Kd°'per beruhende Verwandtschaftskraft gebildet; M i t s c h e r 1 i c h unterschied)