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Neunter Band.
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246 Verwandtschaft, chemische.

sen, deren sonstige äussere physikalische Verhältnisse dafür nicht vonBelang sind, wirke, sondern auf die kleinsten Theilchen der Materie,deren Gestalt, Cohäsion und Bestreben den gasförmigen Zustand anzu-nehmen hier mit ins Spiel kommen. Die Verwandtschaft allein kannnach Berthollet nur Verbindungen hervorbringen oder unvollständigeZersetzungen bewirken; vollständige Zersetzung beruht immer auf derMitwirkung der Cohäsion — darunter ist verstanden die Anziehung derkleinsten Theilchen derselben Substanz, wie sie sich namentlich in derSchwerlöslichkeit kund gebe — und der Elasticität — so bezeichneter das Bestreben der kleinsten Theilchen einer Substanz, einen inög'liehst grossen Raum zu erfüllen d. i. Gas- oder Dampfzustand anzu-nehmen. Cohäsion und Elasticität eines Körpers wirken im Allgemei'nen dahin, dass derselbe sich der unmittelbaren Berührung mit anderenSubstanzen und damit der chemischen fcinwirkung auf die anderen ent-ziehe. — Weiter noch ist nach Berthollet allerdings die relativeMenge eines Körpers lür die chemische Wirkung die er ausübt vonEinfluss, und durch Vergrösserung der Menge lässt sich bezüglich derWirkung eines Körpers auf einen anderen das, was ihm an Verwandt-schaft zum letzteren abgeht, ersetzen. Die Anziehung eines Körpers,dessen Menge (Gewicht) = M zu einem andern Körper, oder dieKraft mit w-elcher er diesen zu chemischer Verbindung anzieht, sei,wenn die Grösse der Verwandtschaft = a ausgedrückt durch Ma, alsoproportional dem Product aus der Menge des Körpers, der auf einenanderen ein wirkt, und der Grösse der Verwandtschaft, die er zu diesemhat. Dieses Product wurde als chemische Masse bezeichnet.

Nach diesen Ansichten erklärte Berthollet die Erscheinungender Zersetzung von Verbindungen durch einfache und durch doppelteWahlverwandtschaft wesentlich anders, als dies Bergman gethanhatte. Nach dem Letzteren gehen die Zersetzungen AB -f- C zu A 0-f- B oder AB — J— CD zu AD — (- BC glatt und sofort in dem Maasse,wi,e die ganzen Mengen der in Einwirkung gebrachten Körper mit ein-ander in Berührung kommen, vor sich, wenn im ersteren Falle di®trennende Verwandtschaft zwischen A und C grösser ist als die ruhendezwischen 1 und B, oder wenn im zweiten Fall die Summe der trennen-den Verwandtschaften zwischen A und D und zwischen B und C grös-ser ist, als die Summe der ruhenden Verwandtschaften zwischen A undB und zwischen C und D. — Nach Berthollet ist die Zersetzungniemals eine sofort vollständig vor sich gehende, sondern wenn sie voll'ständig erfolgt das Resultat einer ganzen Reihe einzelner Vorgänge-Bei der Zersetzung nach einfacher Wahlverwandtschaft, wo ein Kör-per C auf eine Verbindung AB wirkt zu deren Bestandteil A aucher Verwandtschaft hat, tritt, wenn sich Nichts im unlöslichen oderelastisch-flüssigen Zustand ausscheidet, zunächst eine Theilung der vor-handenen Menge von A unter B und C ein; seien die Mengen der letz-teren Substanzen M und M , die relativen Grössen ihrer Verwandt-schaften zu A durch a und a' ausgedrückt, so wirken die beiden Sub-stanzen ein auf A im Verhältnis der chemischen Massen Jla und M'und die Theilung der vorhandenen Menge von A unter die Substanze 11

B und C erfolgt nach dem Verhältniss - - Ia , — zu _ - 1 rT’

la-fM a' Ma+M'dmit dieser Theilung ist ein chemisches Gleichgewicht eingetreten. Wirdz. B. zu einer Lösung von essigsaurem Kali Schwefelsäure gesetzt,