Verwandtschaft, chemische. 247
erfolgt zunächst eine Theilung des vorhandenen Kalis unter die beidenSäuren im Verhältniss der chemischen Massen derselben; in der Flüs-sigkeit sind freie Schwefelsäure, schwefelsaures Kali, essigsaures KaliUnd freie Essigsäure. Dabei bleibt es, wenn nicht die Cohäsion oderElasticität von Etwas, was hierbei auftritt, dieses Gleichgewicht wiederstört. Scheidet sich in Folge der Cohäsion (Schwerlöslichkeit) schwe-felsaures Kali aus, so wirken die drei übrig bleibenden Substanzenwiederum zur Herstellung eines chemischen Gleichgewichts und unterBildung von schwefelsaurem Kali auf einander ein, und wenn sich die-ses wiederum ausscheidet, so kann eine noch weiter gehende Zersetzungdes ursprünglich angewendeten essigsauren Kalis erzielt werden. OderWenn man in höherer Temperatur operirt, wo die Essigsäure sich ver-flüchtigt, so bleibt in Folge dieser sogenannten Elasticität der Essig-säure das obige Gleichgewicht wiederum nicht bestehen; die nach derVerflüchtigung der freien Essigsäure bleibenden drei Substanzen wir-ken auch jetzt wieder zur Herstellung eines chemischen Gleichgewich-tes unter Bildung von schwefelsaurem Kali und Freimachung vonEssigsäure auf einander ein, und durch abermalige Verflüchtigung derfrei gewordenen Essigsäure kann die Zersetzung des ursprünglich an-gewendeten essigsauren Kalis abermals der Vollständigkeit näher ge-führt werden. Bei jeder vollständigen Zersetzung durch einfacheWahlverwandtschaft wirken Elasticität oder Cohäsion eines bei derHerstellung des chemischen Gleichgewichts, wie dies den vorhandenenMengen und Verwandtschaftsgrössen der zur Einwirkung gelangendenKörper entspricht, in Betracht kommenden sich bildenden oder theil-Weise frei werdenden Körpers mit; bei der Zersetzung der kohlensau-ren Magnesia durch Schwefelsäure ist die Elasticität der Kohlensäure,bei der Zersetzung der schwefelsauren Thonerde durch Ammoniak dieCohäsion der Thonerde, bei der Zersetzung des essigsauren Baryts durchSchwefelsäure die Cohäsion des schwefelsauren Baryts der die Voll-ständigkeit der Zersetzung bedingende Umstand. Vollständige Zerset-zung ist immer nur das Endresultat einer grossen Reihe chemischerVorgänge: Herstellung des chemischen Gleichgewichts zwischen denzur Einwirkung kommenden Körpern nach dem Gesetz der chemischenMassen, Störung des Gleichgewichts durch Ausscheidung eines der nunVorhandenen Körper auf Grund der Cohäsion oder der Elasticität, Wie-derherstellung des Gleichgewichts zwischen den noch in BerührungUnter sich vorhandenen Körpern u. s. f. — Und in entsprechenderWeise wurden von Bei'thollet die Zersetzungen nach doppelter Wahl-verwandtschaft aufgefasst: Zwei Verbindungen AB und CD geben beiihrer Einwirkung auf einander, wenn sich Nichts ausscheidet, vier Ver-bindungen: A B, A D, B C und CD-, bei der Einwirkung von schwefel-saurem Natron auf salpetersaures Kali entstehen die vier Salze wirk-lich, welche aus den zwei vorhandenen Säuren und den zwei Basensich bilden können, und sind nach einem Verhältnis, welches wieder-um durch die Mengen und die Verwandtschaftsgrössen der hier inBetracht kommenden Körper bedingt ist, in der Flüssigkeit, so dassz 'vischen ihnen chemisches Gleichgewicht herrscht, enthalten. EineStörung dieses Gleichgewichtes, und damit vollständige gegenseitige^ersetzim" der angewendeten Salze, kann wiederum dadurch veranlasstWerden, dass Cohäsion oder Elasticität Etwas von dem zur Herstellungdieses Gleichgewichtes Dienenden sich ausscheiden und der chemischen