248 Verwandtschaft, chemische.
Action entziehen lässt. Bei der Einwirkung von schwefelsaurem Na*tron auf salpetersauren Baryt sind im ersten Augenblick schwefelsauresNatron und salpetersaurer Baryt, salpetersaures Natron und Schwefel*saurer Baryt in der Flüssigkeit enthalten, aber die Ausscheidung desunlöslichen letzteren Salzes lässt, da nun das Gleichgewicht gestört ist,die drei übrigen Salze wiederum Umsetzung zur Herstellung des Gleich-gewichts unter Bildung einer neuen Menge schwefelsauren Baryts er-leiden, welche wiederum ausgeschieden wird, und so fort, bis alleSchwefelsäure oder aller Baryt in Form von schwefelsaurem Baryt derchemischen Action entzogen ist. Ebenso ist bei der Zersetzung derschwefelsauren Thonerde durch kohlensaures Alkali es die stetige Aus-scheidung der Thonerde durch die Cohäsion derselben und der Koh-lensäure durch die Elasticität derselben, welche die Vollständigkeit derZersetzung ermöglicht; und so wirkt in allen Fällen, wo durch soge-nannte Wahlverwandtschaft vollständige Zersetzung erfolgt, nicht blossdie Verschiedenheit der in Betracht kommenden Verwandtschaftsgrössensondern auch die Cohäsion und die Elasticität solcher Körper, welchein der die Einwirkung vermittelnden Flüssigkeit gelöst bleiben müssten,damit sich ein dauerndes Gleichgewicht herstelle, ganz wesentlich fürdiesen Erfolg.
Wenn man mit Berthollet in Betracht zieht, wie die sogenannteCohäsion und die Elasticität der Körper für die Enderfolge chemischerEinwirkungen von Einfluss sind, wie die Cohäsion desselben Körperssich verschiedenen Flüssigkeiten gegenüber verschieden äussern (der-selbe Körper in einer Flüssigkeit unlöslich in einer andern leicht lös-lich sein kann) und wie für denselben Körper Cohäsion und Elasticitätsich noch sonst z. B. je nach der Temperatur ändern können: so las-sen sich Erscheinungen der sogenannten reciproken Verwandtschaftenin einfacherer Weise auffassen, welche schwieriger zu erklären sind, solange mau ausschliesslich die Grössen der Verwandtschaften der inEinwirkung kommenden oder in_ den zur Einwirkung gebrachten Sub-stanzen enthaltenen Körper zur Grundlage der Erklärung nehmen will-Wenn bei Einwirkung der Essigsäure auf kolilensaures Kali in wässe-riger Lösung sich essigsaures Kali bildet und Kohlensäure sich ent-wickelt, bei Einwirkung von Kohlensäure auf essigsaures Kali in wein-geistiger Lösung kohlensaures Kali ausgeschieden wird, so beruht esim ersteren Fall auf der Elasticität der Kohlensäure, im zweiten Fallauf der sogenannten Cohäsion des kohlensauren Kalis (dem Weingeistgegenüber), dass der zunächst eintretende Erfolg: Theilung des Kal'’ 8zwischen der Essigsäure und Kohlensäure nach dem Verhältniss derchemischen Massen derselben, nach und nach zu diesen so verschiede-nen Endresultaten sich umändert. Freilich kann man hier fragen, wes-halb die Kohlensäure nicht auch den in Wasser gelösten essi«'saurenKalk unter Ausscheidung unlöslichen kohlensauren Kalks zersetzt; dieBerthollet’sche Lehre giebt hierfür keine Erklärung._Die Lös-
lichkeit verschiedener Salze ändert sich mit der Temperatur in sehrungleichem Grade; die des Chlornatriums ändert sich nur sehr wenig,die des schwefelsauren Natrons vermindert sich aber bei sinkender Tem-peratur rasch, wächst bei steigender bis diese 33° C. erreicht, nimmtaber dann wieder ab; die der schwefelsauren Magnesia und die desChlormagnesiums wächst mit steigender Temperatur stetig. Wenn auseiner Lösung, welche Salzsäure, Schwefelsäure, Natron und Magnesi 3