254 Verwandtschaft, chemische.
Schwefelsäure färbt Lackmustinetur zwiebelroth, freie Borsäure wem'roth; bei suece3ivera Zusatz von Schwefelsäure zu einer Lösung vonborsaurem Natron giebt die Flüssigkeit mit Lackmustinetur erst nurdie weinrothe Färbung, bis die zugesetzte Schwefelsäure die zur Neutra-lisation des Natrons nöthige Menge beträgt, und dann bei Zusatz voUnoch mehr Schwefelsäure zwiebelrothe; wird eine noch so gross®Menge von Borsäurelösung zu einer Lösung von schwefelsaurem Kal 1gesetzt, so giebt doch die Flüssigkeit mit Lackmustinetur nur weinrothenicht zwiebelrothe Färbung, während die letztere auf Zusatz einer seh rgeringen Menge freier Schwefelsäure sich zeigt. Es beweisen solch®Versuche allerdings, dass die Borsäure bei Temperaturen, wo ihre g®'sättigte Lösung die weinrothe Färbung mit Lackmustinetur giebt, kein®durch die zwiebelrothe Färbung der Lackmustinetur sich verratheni®Spur Schwefelsäure aus der Verbindung der letzteren mit Alkali aus'zutreiben vermag, und dass, so weit dies Criterium der Lackmusröthun#es beurtheilen lässt, eine Theilung des Alkalis unter die Schwefelsiiuf®und Borsäure, so dass etwas von der ersteren (wenn genug Alkali ztt'gegen ist) frei bliebe, nicht stattfindet.' Es lässt sich nicht entsche 1 'den, ob bei höheren Temperaturen, wo die Löslichkeit der Borsäure i®Wasser grösser ist und diese Säure also mit grösserer chemischer Mass®wirken könnte, das Verhalten derselben der Schwefelsäure gegeniib ernoch das gleiche ist, da eine in der Hitze gesättigte wässerige Borsäure'lösung mit Lackmustinetur auch zwiebelrothe Färbung giebt. — A 0 'dere Fälle sind mit verschiedenem Resultate von verschiedenen Ch®'mikern betrachtet worden, je nach dem Wege, den sie zur Entscheidungeinschlugen, ob ein Körper in einer Flüssigkeit nur mit derjenig eDvon zwei Substanzen vereinigt sei, zu welcher er die grössere V®®'wandtschaft hat, oder unter beide nach dem Verhältnis ihrer cheU> Jschon Massen vertheilt. Dass z.B. keine Theilung einer Basö untergenannte ungleich starke Säuren eintrete, hat man 1 ) daraus gefolg er *’dass phosphorsaures Eisenoxyd in Salzsäure aber nicht in Essigsäu relöslich ist und dass es doch aus seiner salzsauren Auflösung durch essigsaures Kali vollständig gefällt wird; bei einer Theilung des Kalissehen Salzsäure und Essigsäure sei aber zu erwarten, dass ein Th® 1der Salzsäure frei bleibe und einen Theil des phosphorsauren Eis® 1 ^oxyds gelöst behalte. Der Vorgang ist indessen kein einfacher up^sehr verschiedenartiger Betrachtung fähig. Mit grösserer Wahrsche 1 ®lichkeit sprechen im Gegentheil einzelne Thatsaehen für eine Theil®®!’eines Körpers unter zwei Substanzen, welchen man gewöhnlich fürVersuchsumstände ziemlich ungleiche Verwandtschaft zu jenem Körp erzusebreibt 2 ). Eine Lösung von phosphorsaurern Eisenoxyd in Salzsäur®zeigt eine so blasse aul Zusatz von mehr Salzsäure an Intensität z ®nehmende Färbung, dass es wahrscheinlich ist, es sei nicht alles Ei äe ®als Chlorid oder salzsaures Oxyd, sondern ein Theil als phosphorsaul ®^Oxyd gelöst, und um so mehr von dem Eisenoxyd an die Salzsäp 1 ^gebunden, um je grösser die relative Menge der letzteren ist. In et *J,zelnen Fällen erscheint eine quantitative Bestimmung, nach wel ß ^ e
2 ) Gay-Lussac, in den Annal. de chim. et de phys. [2.] T. XLIX, P-T. LXX, p. 416; L. Gmelin’s Handb. d. Chem. 4. Aufl. Bd. I, S. 149.
2 ) Vergl. Gladstone, Journ. of the Chemical Society Vol. XV, p. 302»f. prakt. Chem. Bd. LXXXVIII, S. 449.