258 Verwandtschaft, chemische.
Die Bestimmung der Grösse der Verwandtschaft zwischen zw elSubstanzen ist, seitdem man die Mitwirkung von Unlöslichkeit undFlüchtigkeit für die Erfolge von Verwandtschafts- und namentlich Zer-setzungserseheinungen anerkennt, etwas zurückgetreten im Vergleichmit jener Zeit, wo man jede Abscheidung einer Substanz aus einerVerbindung dadurch, dass ihre Verwandtschaft zu dem andern Bestand-theil der des einwirkenden Körpers zu dem letzteren an Grösse nach*stehe, erklärte und aus solchen Zersetzungen die relativen Verwandt-schaftsgrössen mit Sicherheit wenigstens der Reihenfolge nach ableitenzu können glaubte. Man ist jetzt bezüglich der Bestimmung von Vet-wandtscliaftsgrössen, was relative betrifft und in der Vergleichung mitanderen Kräften, vorsichtig geworden und keines' der Verfahren, nachwelchen man solche Bestimmung versucht, ist in grösserer Ausdehnung^zur Erzielung vergleichbarer Zahlen für alle verschiedenartigen Stoff 0in ihrer Einwirkung auf einander versucht oder auch nur als anwend-bar hingestellt worden. Es mögen hier noch die verschiedenen Ge-sichtspunkte, von welchen man für die Ermittelung der Verwandt-schaftsgrössen auszugehen suchte, zusammengestellt werden.
Viele Chemiker sind noch der Ansicht, die relativen Grössen defVerwandtschaft lassen sich aus Zersetzungserscheinungen, namentlichwenn man diese als durch die etwa statthabenden Ausscheidung^»nicht erheblich beeinflusst anzusehen habe (wo aber dem individuelle 11Ermessen viel anheim gegeben ist), in der S. 243 f. besprochenen Weiseableiten. Auf das Verhältniss der Grössen der Verwandtschaften, wel-che zwei Substanzen zu einem und demselben dritten Körper habe»)aus dem Verhältniss der Quantitäten beider Substanzen zu schliesse 11
1, 2, 3 .... Atomen der einen Verbindung stets 1, 2, 3 .... Atome der andern Ver-
bindung entstehen; das Mengenverhältniss von B und B' kann innerhalb gewisser
Grenzen sich ändern, ohne dass das atomistische Verhältniss der sich bildenden Ver-bindungen ein anderes wird, aber bei Ueberschreitung dieser Grenzen springt dieses
Verhältniss plötzlich in ein anderes um. — Wirkt ein Körper A reducirend aUeine im Uebersehuss vorhandene Verbindung B C ein, so dass C unter Bildung einerVerbindung AB frei wird, so ist, wenn C auf die neugebildete Verbindung reducirenzurückwirken kann, das Endresultat der Zersetzung ein solches, dass der reducirt cTheil von B C gegen den nicht reducirten in einem einfachen Atomverhältniss steh*!und auch bei diesen Keductionen kann die Menge des einen Gemengtheils oh’ 1 * * * S. ®Aenderung des vorhandenen Atomverhältnisses bis zu einer gewissen Grenze ver-mehrt werden, über welche hinaus dann ebenfalls sprungweise Aenderungen des-selben, aber immer nach kleinen rationellen Zahlen entstehen. Bei der Reductio»des Wasserdampfes durch glühende Kohlen wird nicht alle Kohle zu Kohlensäureoxydirt, sondern die Einwirkung bleibt auf dem Punkte stehen, wo neben 4 Vol;Wasserstoff genau 1 Vol. Kohlensäure und 2 Vol. Kohlenoxyd gebildet sind; 1,61der unvollkommenen Verbrennung von Cyan entstehen neben frei werdendem Stick-stoff Kohlensäure und Kohlenoxyd gleichfalls in einfachem Volumverhältniss; bei d®®Verbrennung eines Gemisches von Kohlensäure mit Wasserstoff und Sauerstoff z el ^sich, dass der reducirte Theil der Kohlensäure zu dem nicht reducirten in eine 111einfachen, wenn auch je nach dem Mengenverhältniss der Gase wechselnden Vol 111 »'verhältniss steht. Darüber dass Bunsen’s Resultate sich zur Bertholletsche»Theorie mehr ergänzend als widersprechend verhalten vergl. Marignac, in d eI1Archives des Sciences physiques et naturelles T. XXIII, p. 87. — Darüber, » a9äAehnliches sich auch bei der Bildung von Verbindungen in tropfbaren Flüssigkeit® 11zeige z. B. die aus einer gemischten Lösung von Kalk und Baryt durch Kold®»^säure oder von Chlorbariuin und Chlorcalcium durch kohlensaures Natron entstehe 11den Niederschläge die Basen in anderen Verhältnissen als die angewendete Lösungund zwar in sprungweise sich ändernden und einfachen Verhältnissen enthalt®®’vergl. Debus, in den Anna!, d. Chem. u. Pharm. Bd. LXXXV, S. 103; Bd. LXXXV
S. 156 und Bd. LXXXVIT, S. 238.