Band 
Neunter Band.
Seite
995
JPEG-Download
 

Zinnchloride.

995

Das Zinnchlorid wirkt sehr ätzend; es zersetzt den Alkohol unterBildung von Aether; es erhitzt sich mit Terpentinöl zuweilen bis zurEntzündung; es verwandelt Quecksilber in Quecksilberchlorür; durchstarke Salpetersäure wird es zersetzt unter Bildung von Metazinnsäure;Schwefelwasserstoff zersetzt es beim Erwärmen theilweise unter Bil-dung von Zinnsulfid.

Das Zinnchlorid zieht sehr begierig Wasser aus der Luft an, undBildet Krystalle von wasserhaltendem Chlorid: Sn Gl-, -f- 3BO nachEasselmann. Wird das Zinnchlorid mit etwa l /s Wasser gemischtSo erstarrt es zu einer weichen schmelzbaren Masse der Zinnbutter;diese löst sich in überschüssigem Wasser und beim Eindampfen derLösung bilden sich leicht zerfliessliche Krystalle SnGl 2 -j- 5HO, wel-c he über Schwefelsäure 3 Aeq.Wasser verlieren (Lewy 1 ). DieseKry-®lall e werden auch durch Abdampfen einer wässerigen Lösung von^mnchlorid bis zum Krystallisiren erhalten. Eine Lösung von Zinn-chlorid bildet sich beim Auflösen von gewöhnlichem Zinnsäurehydratln Salzsäure; man stellt sie dar durch Behandeln von ZinnchlorürlösungItllt Chlorglas, oder indem man Zinnchloriir mit Salzsäure versetztUQ d mit Salpetersäure behandelt. Zu dem sogenannten „salpeter-sauren Zinn“ der Färber löst man metallisches Zinn in kaltgehaltenemKönigswasser mit nicht zu viel Salpetersäure, weil sich sonst leichtMetazinnsäurehydrat abscheidet, allmälig auf. Diese Lösung vonBhlorzinn wird in der Färberei zum Aviviren und zum Fixiren rotherFarben gebraucht, und hat den alten Namen Composition, Physik°der Zinnsolution. Die gleiche Lösung wird erhalten durch LöseuZinn in Salzsäure zur Sättigung, Hinzumischen von einhalb so viel^alzsäure als zur Lösung verwendet war, neben etwas Schwefelsäure und‘-Elpeter. Hierbei bildet sich dann auch immer etwas Chlorammonium;

61 Anwendung von Salpetersäure allein ohne Salzsäure entsteht je-( *°ch kein Ammoniaksalz. Das Zinnchlorid kann auch durch OxydationZinnchlor.ür mit chlorsaurem Kali erhalten werden; beim Abdampfenleser Lösung so wie der Lösung von Zinnchlorür mit Salpetersäure•'ystallisirt in zerfliesslichen Nadeln das Chlorid Sn €l 2 -j- 3 H O (im);. a cuum getrocknet bleibt SnCl 2 -j- 2HO), während die Mutterlauge^innoxydhydrat in Zinnchlorid gelöst enthält (Scheurer-Kestner 2 ).^ Das wasserfreie Zinnchlorid löst beim Erhitzen krystallisirbarenc h\vefel (nicht den amorphen) gewöhnlichen Phosphor Jod und au-e . re Körper in grosser Menge; es mischt sich in allen VerhältnissenBrom und Schwefelkohlenstoff; ähnlich wie letzterer Körper istJlI mchlorid ein Lösungsmittel für sehr viele Körper. Schwefel kry-!^Hisirt aus der heiss gesättigten Lösung in rhombischen Prismen

^erardin 3 ).

Wässeriges Zinnchlorid löst Zinnoxydul leicht, es bildet sich Zinn-J" criir, welches beim Verdampfen krystallisirt als Sn Gl -f- 4 HO (s.■ 992) und j n Lösung bleiben Zinnoxydhydrat in Zinnchlorid gelöst.ll 'd überschüssiges Zinnoxydul in wässerigem Zinnchlorid gelöst, soe n*^t die Masse zu einem Brei von Zinnoxydhydrat, das Abfliessendedann Zinnchlorür, welches beim Verdampfen in Verbindung mitVas ser Sn€l-f 2HO krystallisirt (Scheurer-Kestner).

n Compt. rend. T. XXI, p. 369. — 2 ) Compt. rend. T. L, p. 50; Chem.ntl 'albl. 1860, S. 173. — 8 ) Compt. rend. T. LI, P- 1057.

63 *