996 Zinnchloride.
Das gelöste Zinnchlorid zeigt alle ßeactionen der gewöhnlichenZinnsäure, beim Verdampfen entweicht Wasser und dann Zinnchlorid,die concentrirte Lösung von Zinnchlorid ändert sich nicht merkbar; 111der verdünnten Lösung bildet sich allmählig Salzsäure und Metazinn'Säurehydrat, welches beim Verdampfen der Salzsäure zurückbleibt (vgl -Zinnsäurehydrat und Metazinnsäurehydrat S. 1040 u. 1041) -Nach Casselmann scheidet sich beim hinreichenden Verdünnen einTheil des Oxyds als gewöhnliches Zinnsäurehydrat ab. Beim Er-hitzen von Zinnchlorid mit wenig Wasser in einem zugeschmolzenenGlasrohr scheidet sich reines amorphes Zinnoxyd ab (Senarmont).
Zinnchlorid verbindet sich auch mit vielen anorganischen und or-ganischen Körpern. Trockenes Cyanwasserstoffgas wird von wasser-freiem Zinnchlorid absorbirt; es entsteht eine sehr flüchtige Verbin-dung, welche kleine farblose das Licht stark brechende Krystalle bil-det, diese rauchen an feuchter Luft und zersetzen sich (Klein 1 ).
Phosphorchlorid und Phosphorperchlorid lassen sich nidZinnchlorid mischen. Durch Einwirkung eines der beiden Phosphor-chloride auf die Verbindung von Zinnchlorid mit Schwefelchlorür,oder durch directe Einwirkung des Perchlorids auf Zinnperchlorid ent-steht eine zwischen 200° und 220°C. in Krystallen sublimirbare Ver-bindung 2 Sn €l 2 . P£l 5 , die schnell zu einem amorphen Pulver zer-fallen. An der Luft raucht der Körper und zieht rasch Feuchtigkeitan, worauf dann ohne Zersetzung der Verbindung sich wasserklare Kry-stalle bilden, welche durch weitere Wasseranziehung rasch zerfliessemDas Zinnchlorid-Phosphorchlorid löst sich in etwas Wasser vollkom-men, bei Zusatz von mehr Wasser scheidet sich phosphorsaures Zinn-oxyd unvollständig ab als eine steife Gallerte von wechselnder Zusam-mensetzung (Casselmann 2 ).
Eine Verbindung von Zinn chlorid mit Pho sphoroxychlori^2SnCl 3 . P0 2 €l 3 bildet sich, wenn man Zinnchlorid und Phosphor-oxychlorid in passendem Verhältniss zusammenbringt, oder wenn nia' 1letzteres auf Zinnchlorid - Schwefelchlorid Sn Gl 2 . S 2 Gl 4 (s. unten) 111geschlossenen Gefässen einwirken lässt; man erhält die Verbindung n ]deutlichen Krystallen von eigenthümlichem Geruch; sie schmelzen b® 155° C., und bleiben wenn stärker erhitzt beim Erkalten bei 15° b> ä18°C. noch lange Zeit flüssig; sie sieden bei 180° C. und destilliren l!1ganz trockener Luft unverändert über (Casselmann 3 ).
Auch Phosphorwasserstoff verbindet sich mit Zinnchlorid, di®Verbindung ist nach Rose 4 ) 3 Sn Gl . H 3 P (s. unter PhosphorwaS"serstoff Bd. VI, S. 483).
Stickoxyd wird von Zinnchlorid reichlich absorbirt; es bil ( 3_ eteine krystallinisch destillirbare Verbindung; an feuchter Luft oder j 11Berührung mit Wasser zerfällt sie in Stickoxydgas und Zinnchlori(Kuhlmann 5 ).
Nach Hampe 6 * ) wirkt Stickoxyd nur bei Gegenwart von freie' 11Sauerstoff auf Zinnchlorid; Untersalpetersäure oder salpetrige Säur ewerden vom Zinnchlorid absorbirt; die sich bildende gelbe Masse e ut '
l) Annal. d. Chera. u. Pharm. Bd. LXXXIV, S. 85. — 2 ) Ebendas. Bd. L xXXI ?£
S. 258. — 3 ) Annal. d. Chem. n. Pharm. Bd. XCI, S. 241 ; Bd. XCVITI, ‘
.— 4) Poggend. Annal. Bd. XXIV, S. 159. — & ) Annal. d. Chem. u *
Bd. XXXIX, S. 319. — 6 ) Ebend. Bd. CXXVI, S. 43.